mit Ort und Uhrzeit allerdings kaum. Erfolgreicher ist man, wenn man sich im Gästehaus oder beim Taxler erkundigt. Die einhellige Antwort lautet schließlich: am Sonntag, 15 Uhr, wird gespielt.
Da ich in Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti-Region, die Flutlichtmasten des Stadions schon aus der Ferne ausmachen kann, ist auch der Ort schnell eruiert. Als ich mich dann bei gleißender Hitze (34°) und etwa 75 Prozent Luftfeuchtigkeit zu Fuß auf den Weg Richtung Stadion mache, wird mir jedoch klar: Das ist nicht das ideale Fußballwetter. Ohne Kopfbedeckung und ausreichende Getränkeversorgung wäre ich bereits vor dem Spiel darniedergelegen – und das als Zuschauer.
Nachdem ich umgerechnet zwei Euro bezahle, wird meine Karte unmittelbar nach Eintritt vom Abreißer in winzige Stücke zerrissen und auf den Boden geworfen. Damit ist die Hoffnung auf ein authentisches Souvenir zerstört. Die Gastfreundschaft im Stadion ist dafür umso herzlicher. Das Interesse eines Fremden an einem ghanaischen Fußballspiel scheint viele Anwesende sehr zu freuen. Bevor es beginnt, suche ich noch Schutz vor der Sonne und setze mich unter einen Betonvorsprung der Tribüne. Die vorbeigehenden Menschen können so immer nur meine weißen Füße sehen. Einige bücken sich, um mich ganz zu sehen und mich zu grüßen oder mit dem hochgestreckten Daumen »Ok!« zu deuten.
Tabellenführer und Rekordmeister Kotoko FC kann in einem technisch hochwertigen und schnellen Spiel erst durch einen Handselfmeter wenige Minuten vor Schluss gegen den
Aufsteiger Chelsea FC ausgleichen. Akustisch wird das ganze Spiel von zwei Musikkapellen
mit Trommeln und Blechblasinstrumenten getragen. Sprechchöre sind dagegen überhaupt
nicht zu vernehmen.
Nach dem Spiel gilt das Hauptinteresse der englischen Premier League und den dortigen ghanaischen Legionären. In den Lokalen rund ums Stadion drängen sich die Zuschauer um die Videowalls oder hören die aktuellen Spielstände aus tragbaren Radios. Der Hunger nach Fußball ist also noch nicht gestillt – bei dem Stolz auf die erfolgreichen Landsleute in Übersee kein Wunder.






erscheint am 6. Oktober 2010.
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