Abgang im Forum

cache/images/article_2064_20130412_2930_140.jpg Der Wiener Sportklub sucht eine neue Vereinsführung. Präsident Udo Huber ist nach fünfjähriger Amtszeit auf eigenwillige Art zurückgetreten. Der Abgang des ehemaligen »Mr. Hitparade« erfolgt in einer kritischen Phase: Die Dornbacher kämpfen in der Regionalliga Ost gegen den Abstieg. Die Stadionsanierung und die Rückführung des WSK in den Wiener Sportclub sind ungelöst.
Reinhard Krennhuber | 17.04.2013

Der Rücktritt Udo Hubers kam angesichts der sportlichen Situation und wachsender Kritik von Seiten der Fans und Teilen des Vereins nicht überraschend - die Art und Weise dafür umso mehr. Denn Huber verlautbarte seinen Rückzug nicht auf einer Pressekonferenz oder per Klubaussendung, sondern in einem privaten Posting im Internetforum sportclubplatz.com.

Es sei kein Vertrauen mehr vorhanden, schrieb Huber dort, und er wolle sich die psychische Belastung nicht antun. »Es ist schade, dass es so enden muss. Allerdings gehe ich ohne Zorn. Als nach wie vor Schwarz-Weißer«, so der scheidende Präsident. »Als Führungsperson war ich wahrscheinlich immer zu konsenssüchtig. Ich habe immer den Spagat zwischen allen Fangruppen versucht. Zwischen Friedhofs- und Haupttribüne, zwischen jüngeren und älteren Anhängern.«

Schrieb es - und verschwand von Bildfläche. Am Dienstag war Udo Huber für Medienanfragen nicht erreichbar. Und auch ein offizielles Statement des Wiener Sportklub blieb aus. Auf der Website konnte der Verein ebenfalls nur auf das Posting seines Ex-Präsidenten verweisen.  

 

Rufe nach Veränderung
Der Unmut über die Führung hatte sich in der Vorwoche öffentlich entladen. Zunächst in einem offenen Brief von Christian Hetterich, dem Managers des WSK-Wirtschaftsnetzwerks Dornbach Networks. Der Sportklub-Mitarbeiter äußerte darin seine Unzufriedenheit über »unerträgliche Zustände« und forderte »spürbare Veränderungen«. Der Verein sei stärker verschuldet, als der Vorstand es eingestehe, so Hetterich, die Rückführung des 2001 gegründeten WSK in den Stammverein Wiener Sportclub werde verschleppt und Mitgliederinteressen negiert. »Schlimm ist, dass man sich konsequent selbst belügt und sich den Tatsachen nicht oder mit untauglichen Mitteln stellt. Der Verein ist meiner Wahrnehmung nach stark verschuldet und kann seinen Verpflichtungen kaum noch nachkommen.«
 
Dem Brief folgte eine Erklärung der »FreundInnen der Friedhofstribüne« (FHT), in der die Fanvereinigung die WSK-Spitze aufforderte, bei der nächsten Mitgliederversammlung ihre Posten zur Verfügung zu stellen. Das Präsidium habe es nicht geschafft, ein langfristiges sportliches Konzept zu entwickeln und sei nicht bereit, die von den Mitgliedern geforderten Schritte für eine Rückkehr zum Stammverein Wiener Sport-Club zu setzen, hieß es darin. Die Klubführung gefährde die Zukunft von mehr als 200 Nachwuchskickern und die Existenz des ältesten noch bespielten Fußballplatzes Österreichs. FHT-Obmann Martin Roßbacher hatte bereits zuvor im ballesterer kritisiert, dass Huber und Co. bei der Stadionsanierung Unterstützungsangebote von Mitgliedern und Fans abgelehnt hatten und es hier zu einem Vertrauensbruch gekommen sei.

 

Zwischen Trotz und Sensibilität
Im Meisterschaftsspiel gegen Stegersbach am vergangenen Wochenende verliehen die Fans ihrem Protest auch mit einem Transparent Ausdruck. »Präsidium raus«, stand in breiten Lettern am Zaun der Friedhofstribüne, auch wenn von Teilen der Fanszene Kritik an der Direktheit der Botschaft laut wurde. In einer weiteren Erklärung nach dem Rücktritt Hubers dankte die FHT am Dienstag dem scheidenden Präsidenten für seinen Einsatz, aber auch für die Einsicht, dass es an der Zeit gewesen sei, zu gehen: »Der Blick muss ab nun nach vorn gerichtet sein. Der Fußball in Dornbach steht auf dem Spiel - jetzt müssen alle, denen der Fußball am Sportclub-Platz am Herzen liegt, Farbe bekennen.«
 
Huber selbst schreibt in seinem Forumseintrag, er trete ohne Zorn und Häme ab. Gleichzeitig kann er es sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass gerade eine sensible Phase der Saison angebrochen sei, in der man die Planungen für die Zukunft angehen müsse. »Man hätte, ohne den Verein nach außen nachhaltig zu beschädigen und die Fans weiter zu spalten, auch noch die fünf bis sechs Wochen bis zur Mitgliederversammlung warten und alles auf demokratischen Weg erledigen können«, so Huber. Dazu hätte es aber auch einen Präsidenten gebraucht, der sich nicht über Nacht per Posting verabschiedet. 

 

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