Als Literaten traten

cache/images/article_871_lit_em_rui_140.jpeg Der erste Tag der allerersten Literaten-Europameisterschaft am Wiener Sportklub-Platz zeigte durchaus ansehnlichen Hobbyfußball, mit allem was dazu gehört - dicken Bäuchen, Zigaretten- und Bier-Pausen der Spieler, aber auch vielen Toren. Dabei waren die Teilnehmer aus der Schweiz, Slowenien, Ungarn und Österreich nicht mehr die allerjüngsten. Im Reglement ist nämlich festgeschrieben, dass das Durchschnittsalter der Mannschaften 40 Jahre nicht unterschreiten darf.
Es geht darum, zu zeigen, dass auch Autoren körperlich aktiv sein können, sagte Gerhard Ruiss, der Kapitän des österreichischen Teams vor Turnierbeginn zum ballesterer fm. So manches Klischee über Menschen der schreibenden Zunft könne man dadurch möglicherweise abbauen, hofft er. Doch noch mehr geht es bei der Literaten-EM um das Kennenlernen von Autoren anderer Länder. Drei Antologien seien aus den Kontakten bereits entstanden, seit vor zwei Jahren das erste Literaten-Ländermatch gegen Ungarn mit 2:8 in den Sand gesetzt wurde, so Ruiss.

Und darüber hinaus hört, hört glaubt Ruiss sowieso an die völkerverständigende Wirkung von Nationenturnieren. Dieser Aspekt der Körper-Weltsprache Fußball sei seit der WM in Südkorea und Japan sogar noch offensichtlicher zum Vorschein gekommen und durch den scheinbar allumfassenden Kommerz nicht domestizierbar.

Zurück zum Wesentlichen: Hoher Favorit der Literaten-EM ist Ungarn, das am ersten Turniertag die Schweiz gleich mit 6:1 in die Schranken wies. Unsere östlichen Nachbarn boten gute Kombinationen und hatten mit dem auch in Österreich als Autor bekannten Péter Zilahy und János Gyurgyák zwei unwiderstehliche Goalgetter im Team.

Die Österreicher, deren Turniersieg Franzobel schon vor einigen Monaten in der Zeit angekündigt hatte, müssen sich warm anziehen. Vor allem, nachdem das erste Match gegen Slowenien 1:2 verloren wurde. Trotz zweitägigem Trainingslager mit Willy Kaipel. Dem Ex-Sportklub-Coach war die Unzufriedenheit deutlich anzusehen. Vergaß man beim rollenden Angreifen doch auf die Abwehrarbeit und wurde klassisch ausgekontert.

Zu sehen sind Franzobel, Ruiss, Kaipel & Co. noch am 18. und am 20. Mai jeweils ab 18 Uhr in der Arena zu Dornbach. Jeden Tag finden zwei Matches (2x30 Minuten) statt. Wer hinschaut, steht sicher nicht allein auf der Tribüne, am Freitag fanden sich mindestens 200 Fans und Interessierte ein - darunter auch Supporter der Gästemannschaften.

Für literarisch Interessierte gibt es im Rahmen der EM Lesungen und Diskussionen. Das genaue Programm findet sich unter http://www.doppelpass.org.
ballesterer # 120

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