Auf Zak: Die Konsequenzen des Trinkens

Für Slawomir Peszko ist der Traum von der Europameisterschaft beendet. Nach seiner Zechtour mit anschließender Nacht in Polizeigewahrsam, strich ihn Polens Teamchef Franciszek Smuda aus dem Kader. Peszko ist ihm schon vor zwei Jahren unangenehm aufgefallen.
Radoslaw Zak | 11.04.2012
Eigentlich hatte Slawomir Peszko seinen Platz im 23-Mann-Kader Polens sicher, auch wenn er beim 1. FC Köln in letzter Zeit nicht immer über die volle Spielzeit zum Einsatz kam. In der polnischen Nationalmannschaft herrscht akuter Bedarf auf den Außenpositionen im Mittelfeld, weswegen Peszko nicht aus den Planungen von Trainer Franciszek Smuda wegzudenken war.

Taxifahrt mit Folgen
Doch der 26-Jährige spielte seit September 2010 nur auf Kredit. Nach der 1:2-Pleite gegen Australien in Krakau betrank er sich mit Maciej Iwanski im Hotel und wurde für einige Monate suspendiert. Auf dem Weg zu seinem Zimmer beleidigte er Smudas Assistenten Jacek Zielinski und sprach Teammanager Konrad Pasniewski jegliche Kompetenz ab. Im Gegensatz zu Iwanski endete der Vorfall für Peszko glücklich, nur wenige Monate nach seinem Rauswurf wurde er ins Team zurückgeholt.


Nach dem 1:1-Remis gegen Werder Bremen, bei dem er die erste Hälfte spielte, alkoholisierte sich Peszko gemeinsam mit Nationalteamkollegen Marcin Wasilewski vom RSC Anderlecht. Laut Angaben des Kölner Stadtanzeigers und der Bild randalierte Peszko auf der Taxifahrt nach Hause, indem er mehrmals gegen das Taxameter schlug. Der Lenker ließ sich das nicht gefallen und setzte die beiden Spieler umgehend vor einer Polizeiwache ab. Wasilewski zahlte, Peszko soll gegenüber der Exekutive handgreiflich geworden sein. So sehr, dass er zur Verhinderung weiterer Straftaten die Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen musste. Laut Polizeiangaben soll Peszko einen Alkoholwert von 1,5 Promille im Blut gehabt haben. Dem widerspricht der Beschuldigte: »Sie wollten mir nach dem ersten Test nicht sagen wollen, wie viele es sind. Beim zweiten Test, den ich gefordert habe, waren es 0,4.« Polens Tormannlegende Jan Tomaszewski kritisiert das Vorgehen von Teamchef Smuda: »Ihn auf Grundlage von deutschen Zeitungsberichten rauszuschmeißen, ist falsch. Sein Verein untersucht die Angelegenheit und hat ihn noch nicht bestraft.«

Geschichte wiederholt sich
Peszko und Wasilewski reihen sich mit ihrer Zechtour in eine illustre Reihe aussortierter Spieler ein. Nachdem 2008 Artur Boruc, Radoslaw Majewski und Dariusz Dudka nach einem Gelage mit anschließender Neudekoration eines Hotelzimmers in Lwiw vom damaligen Trainer Leo Beenhakker suspendiert und später begnadigt wurden, war Boruc zwei Jahre später wieder Protagonist einer Alkoholaffäre. Auf dem Rückflug nach einer Nordamerikareise tranken der Fiorentina-Tormann und Kapitän Michal Zewlakow Rotwein und flirteten angeheitert mit Flugbegleiterinnen. Smuda warf beide raus. In einem TV-Interview trat Boruc nach und bewies Literaturkenntnis, indem er seinen ehemaligen Trainer »Dyzma« nannte. Im Roman »Die Karriere des Nikodem Dyzma« steigt der nach Warschau gezogene ungebildete Postbeamte die Karriereleiter dank zahlreicher Bekanntschaften steil nach oben. Kleinlaut bekundete Boruc kürzlich, gerne wieder unter Smuda spielen zu wollen. Der scheint hart zu bleiben. Der Canossagang dürfte also auch für Peszko und Wasilewski keinen Sinn machen.

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Rubrik: Aktuell
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