Auf Zak: Die Rückkehr des Adlers

Das neue polnische Teamtrikot ohne Wappentier, dem weißen Adler, hat für enorme Fanproteste gesorgt, denen sich auch Politiker anschlossen. Unter der »Trikotaffäre« hat nicht nur das Ansehen des Verbands, sondern auch das von Ausrüster Nike gelitten.
Radoslaw Zak | 22.12.2011
Neu ist nicht immer besser: Das mussten auch die Verantwortlichen des polnischen Fußballverbands PZPN erkennen, die das Wappentier auf den Dressen, in denen die »Reprzentacja« bei der Heim-EM auflaufen sollte, durch ein neukreiertes Logo, ein Hybrid aus Adler und Fußball, ersetzt hatten. Nach der Trikotpräsentation brach ein Sturm der Entrüstung los: Fans, Teamspieler, Repräsentanten anderer Sportarten, Medien und selbst Präsident Bronislaw Komorowski verurteilten das neue Leiberl des Nationalteams. Das Staatsoberhaupt ging sogar so weit, den Adler per Gesetz für alle Sportler Polens zu verordnen. Sein Vorschlag ist jedoch noch nicht angenommen worden.

Die zwei Wochen andauernden Proteste gegen das neue Trikot zwangen den Verband schlussendlich in die Knie. Im Freundschaftsspiel gegen Bosnien-Herzegowina am 10. Dezember spielten die Weiß-Roten wieder mit ihrem Wappentier. Der PZPN bedauerte dessen Entfernung in einer öffentlichen Aussendung: »Der Adler wird aufgrund seiner Tradition und der gesellschaftlichen Erwartungen in Zukunft weiterhin ein fester Bestandteil des polnischen Trikots sein.«

Nikes Vorahnung
Das Einlenken des Verbands dürfte Nike freuen, denn das Image des Ausrüsters hat unter der Affäre gelitten. PR-Manager Maciej Lason bilanzierte: »Wir sind mit der Entscheidung sehr glücklich. Die Stimme der Fans war nicht zu überhören, der PZPN musste auf sie eingehen.« Konsequenterweise werden die noch nicht in den Handel gekommenen Trikots nun optimiert, die schon erhältlichen dürften zunächst abverkauft werden und in einigen Jahren einen hohen Sammlerwert haben.


Dabei hatte Nike das Unheil bereits kommen sehen. Wie bekannt wurde, versuchte der Sportartikelkonzern den Verband schon vier Monate vor der Präsentation der Shirts von seinem Vorhaben abzuhalten vergeblich. »Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen sind wir an die Wünsche des Verbands gebunden. Er entscheidet, welche Logos und Aufdrucke sich auf dem Trikot befinden sollen«, so Lason.

Die Kratzer im Lack sollen nun durch eine neue Werbekampagne übermalt werden.
Am Tag des Bosnien-Spiels wurde der Öffentlichkeit ein Video präsentiert, das den Aufdruck des Wappens zeigt. Danach folgte ein Werbespot mit Jakub Blaszczykowski, der mit Rapper Eldo über wichtige Dinge wie Musik philosophiert. Auch ein Plakat des Kapitäns, auf dessen nacktem Oberkörper der Adler prangt, wurde veröffentlicht. Der Werbeslogan »Im Kampf vereint« bröckelt jedoch denn Nike will vom Verband eine Entschädigung.


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