Auf Zak: Tod einer Legende

Der Mann, »der mit dem linken Fuß Krawatten binden konnte«, ist tot. Der ehemalige polnische Fußballstar Wlodzimierz Smolarek ist am 6. März im Alter von 54 Jahren gestorben. Seine Weggefährten zeigen sich bestürzt.
Radoslaw Zak | 08.03.2012
Wlodzimierz Smolarek gehörte in den 1980er Jahren zu den Schlüsselspielern der »Reprezentacja«. Insgesamt trug er 60 Mal das Nationalteamtrikot und erzielte dabei 13 Tore. Dank seines Doppelpacks gegen die DDR qualifizierte sich Polen für die WM 1982 in Spanien, wo das Team von Coach Antoni Piechniczek nach 1974 wieder den dritten Platz belegte.

 

Der 1957 in Aleksandrow Lodzki geborene Smolarek begann seine Karriere bei den Junioren von Wlokniarz Aleksandrow (19671973), später trug er das Trikot von Widzew Lodz sowie von Legia Warszawa, wo er von 19771979 seinen Wehrdienst absolvierte. Mit Widzew, dessen Trikot er zweimal trug (19731977, 19791986), feierte er seine größten Erfolge.

Mann der wichtigen Tore
1981 und 1982 gewann Smolarek die polnische Meisterschaft, 1985 den Cup. 1983 erreichte er mit Widzew das Halbfinale des Meistercups. Im Viertelfinale ermöglichten seine beiden Tore bei der 2:3-Niederlage gegen den FC Liverpool an der Anfield Road das Weiterkommen, da die Polen das Hinspiel 2:0 gewonnen hatten. Im Halbfinale scheiterte Widzew an Juventus (0:2 auswärts, 2:2 daheim), wo Zbigniew Boniek gemeinsam mit Michel Platini brillierte.


Mit wichtigen Toren wartete Smolarek, der Zeit seines Lebens als Identifikationsfigur des Widzew-Anhangs galt, im Dress der »Reprezentacja« nicht nur gegen die DDR auf. Nach zwei torlosen Remis in der ersten Runde der WM 1982 eröffnete er gegen Peru das 5:1-Schützenfest, vier Jahre später war er bei der WM in Mexiko der Schütze des einzigen polnischen Treffers.

 

Im Dress von Eintracht Frankfurt (19861988) gewann Smolarek 1988 den DFB-Pokal, danach wechselte er zu Feyenoord Rotterdam (19881990), ehe er seine Karriere beim FC Utrecht (19901996) ausklingen ließ. In 165 Spielen erzielte er dort 33 Tore.

Fehlende Worte
Der plötzliche Tod, dessen Ursache noch nicht bekannt ist, löste in Fußballerkreisen tiefste Bestürzung aus. »Mir fehlen die Worte«, sagte Boniek in einer ersten Stellungnahme. »Es ist unendlich schade.« Verbandspräsident Grzegorz Lato - wie auch Boniek ein ehemaliger Spieler des Nationalteams - gab zu Protokoll: »Mir fällt es mir schwer, mich mit dieser Nachricht abzufinden.« Jan Tomaszewski nannte Smolarek »ein Vorbild für alle«, sein ehemaliger Trainer Jacek Gmoch haderte mit dem Schicksal: »Warum müssen uns die guten Menschen so früh verlassen? Er hat sich nie für wichtig genommen, war bodenständig, dabei konnte er mit seinem linken Fuß Krawatten binden. Stolz war er nur auf seinen Sohn Euzebiusz.«


Der nach Eusebio benannte Sprössling erfuhr die Nachricht vom Tod seines Vaters während des Trainings bei seinem Arbeitgeber ADO Den Haag, kehrte umgehend nach Polen zu seiner Familie zurück. Die Beerdigung findet am Samstag statt.

 

Video: Smolareks Tore gegen die DDR ermöglichten Polen die WM-Teilnahme 1982

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Rubrik: Aktuell
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