B wie ... beleidigt

Auf dem flachen Land ist man Schnee und Eis nicht so gewohnt. Und so ging Werder Bremen im Schneetreiben des hügeligsten Hamburger Stadtteils unter.
Klaus Federmair | 26.01.2006


Es war ein Jammer. Vor dem Spiel, in der Pause, nach dem Spiel. Sobald eine Kamera in der Nähe war, haderten die Werder-Verantwortlichen Schaf und Allofs bis zum Erbrechen mit den für sie inakzeptablen Verhältnissen. »Das hat mit Fußball nichts zu tun. Da war 90 Minuten der Zufall im Spiel.«

Was kein Zufall war, war natürlich den schlechten Platzverhältnissen geschuldet. Die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, wie das Abseitstor Bremens, die Abwehrfehler der Gäste und erst recht, dass Klose genau so auf die Schulter fiel, dass er sie sich auskegelte. Trainer Schaf hatte schließlich eine Verletzung vorhergesagt.

Die angeblich so gefährlichen Verhältnisse hatten ihn allerdings nicht davon abgehalten, mit allen Stars am Millerntor aufzulaufen und den auf dem Eis völlig unbeweglichen Klasniæ im Spiel zu lassen. Dieser wollte sich übrigens wie auch Kollege Reinke im Gegensatz zu ihren Vorgesetzten nicht aufs Jammern beschränken, sondern übte beherzte Selbstkritik.

Zufall oder nicht, Regionalligist St. Pauli war gegen den Championsligisten jedenfalls mindestens 60 Minuten klar überlegen, gewann viel mehr Zweikämpfe, hatte mehr Chancen und siegte völlig verdient 3:1. In Wirklichkeit war St. Paulis Einzug ins Semifinale aber sowieso unvermeidbar. Denn wie die ARD in akribischer Detektivarbeit herausgefunden hat, ist der Weg St. Paulis zum Pokalsieger 2006 längst vorgezeichnet.

Nach Siegen über Burghausen, Bochum und Berlin, konnte und kann es nur mit Erfolgen über die im Bewerb verbliebenen Klubs mit B weitergehen. Es warten Bayern und Bielefeld in Semifinale und Finale. Daher schon jetzt herzliche Gratulation zum Cupsieg. Der Schlusspunkt wird natürlich in Berlin gesetzt.

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Rubrik: Flachlandkick
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