Robert Ryder - ein Kind aus dem verrufenen Liverpooler Stadtteil Toxteth - war wie all seine Familienmitglieder ein Everton-Fan. Robert Ryder, der erst während der Pubertät den Familiennamen seines Vaters annahm und sich in der Folge Robbie Fowler nannte, begann dennoch als Elfjähriger, beim großen Konkurrenten Liverpool FC zu trainieren und unterschrieb dort vier Jahre später seinen ersten Schoolboys-Vertrag. Warum er zum "Feind" ging? Die rote Fußball-Hälfte der Stadt bemühte sich ganz einfach aktiver um das große Stürmertalent, sogar der große Kenny Dalglish - damals Manager der ersten Mannschaft - trat mit Fowlers Familie in Kontakt, um das Supertalent an die Anfield Road zu lotsen.
Trotz toller Torquoten in den Liverpooler Nachwuchs-Teams und auch bei Spielen regionaler Auswahlmannschaften zweifelte der jugendliche Robbie, ob er es je in die erste Mannschaft des LFC schaffen würde, immerhin war er für sein Alter immer relativ klein und nicht sonderlich robust, zusätzlich machte ihm ein Asthma-Leiden zu schaffen.
Doch es sollte klappen für den Toxteth-Boy, er durfte sogar gemeinsam mit seinem großen Vorbild Ian Rush - auch der Waliser war übrigens als Bub Everton-Fan - für die "Reds" stürmen. Im September 1993 setzte der damalige Manager Graeme Souness den 18-Jährigen im Ligacup auswärts gegen Fulham erstmals in einem Pflichtspiel ein und der Debütant traf prompt ins Netz. Der große Aufschrei kam dann beim Rückspiel an der Anfield Road: Fünf Tore, darunter ein Hattrick vor dem berühmten Kop. Liverpool hatte eine neue Scoring Sensation. Nach 165 Pflichtspielen hatte Fowler bereits als 21-Jähriger 100 Tore verbucht und war damit um ein Spiel schneller als Rush.
Plötzlich waren die Zeitungen voll mit Bildern von Robbie, Freundinnen wurden ihm angedichtet, "Freunde" verkauften Party-Fotos an die Blätter, so mancher Fettnapf stand zum Hineinsteigen bereit. Das Kid aus der Arbeiterschicht wurde in nur wenigen Monaten steinreich. Fowler selbst bezeichnet sich als Pionier einer neuen Generation von Fußballstars, die die Premier League hervorgebracht hat. Im Unterschied zu heutigen Jungstars hatte er damals kaum Berater.
Auch mit Drogen-Gerüchten hatte er zu kämpfen und antwortete darauf auf seine Art: Beim Torjubel im Derby deutete er an, von der Torlinie zu sniffen - und das vor der Everton-Fankurve (woher die Drogen-Anschuldigungen zum Großteil stammten). Als humorige Statement war es gedacht, doch es setzte eine Sperre und Geldstrafe. Bezahlen musste er auch für seinen beim Torjubel in einem UEFA-Cup-Match auf dem Unterleibchen zur Schau gestellten Support für Liverpools Dockworker. In die Schlagzeilen schaffte es Robbie auch durch so manchen Zwischenfall im Liverpooler Nachtleben.
Dabei würden allein die sportlichen Aspekte für sich sprechen. 171 Tore in 330 Liverpool-Pflichtspielen standen zu Buche, als er im November 2001 zu Leeds wechselte. Zu diesem Transfer sah er sich genötigt, als er unter Manager Gerard Houllier keine Perspektive mehr sah. Verletzungen - hauptsächlich langwierige Knöchelprobleme - hatten ihn immer wieder zurückgeworfen, Michael Owen hatte ihm den Rang als Wunderstürmer abgelaufen und der Coach aus Frankreich hatte immer wieder neue Angreifer geholt und offensichtlich immer weniger auf Fowler gesetzt.
Nur wenige Monate nach seinem Karriere-Highlight - als Kapitän durfte Fowler im Frühjahr 2001 Ligacup, FA-Cup und UEFA-Cup stemmen - hieß es Abschied nehmen von der Anfield Road und vom Kop, der immer wie ein Mann hinter roten Nummer 9 stand. Anders als Owen sahen die Kopites Fowler immer als einen von ihnen.
Und nach etwas mehr als einem Jahr bei Leeds United und drei bei Manchester City können sie bei Spielen ihrer Mighty Reds nun wieder laut seinen Namen rufen - und das werden sie mit Sicherheit tun, unabhängig vom Erfolg von Fowlers rotem Comeback. Einen kleinen Unterschied gibt es dennoch: der Mann trägt nun das Trikot mit der Nummer 11.






erscheint am 12. Juli 2013.
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