Bad Man und Robben

cache/images/article_1474_niederland_140.jpg WM-BLOG Drei Spiele gespielt, manchen Eindruck gewonnen. Und trotzdem sind die Niederlande wieder einmal die Wundertüte des Turniers. Keine Spur von offensivem Zauber. Es ist klar, dass die Handbremse noch nicht gelöst wurde. Allerdings blieb dadurch auch offen, welche Drehzahl das Team erreichen kann?
Dominik Sinnreich | 27.06.2010
Die Vorrundengegner waren so einfach wie ein LKW auf der Autobahn zu überholen, auch wenn (vor allem gegen Japan) einigen Schlaglöchern auszuweichen war. Was letztlich unter der Haube steckt, wieviele PS das Team auf den Rasen bringt - das zeigt erst das Achtelfinale gegen die Slowakei. Oder, wenn die Leistung der Slowaken gegen Italien ein Strohfeuer gewesen sein sollten, vielleicht auch erst das Viertelfinale, in dem es  vermutlich gegen Brasilien geht.

Zweifelsfrei ist jedoch eine neue Sachlichkeit eingekehrt. Nigel de Jong und Mark van Bommel bilden ein übel beleumundetes Sechser-Duo in der Mitte, das auch noch die Spieleröffnung beherrscht. Und der wackeligen Abwehr samt Tormann Maarten Stekelenburg hat der Turnierstart gut getan: Nur ein Gegentreffer per Elfmeter, das gibt Sicherheit. Aber: Das Tuning-Paket blieb fast durchgehend auf der Bank. Rafael van der Vaart hat im linken Mittelfeld wohl bald keinen Platz mehr die erhoffte Inspiration blieb aus, Van der Vaart hat selbst in der Vergangenheit auch immer wieder betont, dass er dort eigentlich nicht so gern spielt wie in der Mitte. Nur ist dort an Wesley Sneijder kein Vorbeikommen. Kein Zufall, dass er in jeder Vorrundenpartie ausgewechselt wurde. Keine Frage, es braucht Helden. Es braucht Bad Man und Robben.

Bad Man und Robben, sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Da Eljero Elia, der Schwarze, der böse Bube, der vor der WM vor allem mit einem saublöden Spruch über Marokkaner in den Medien war. Und dort Arjen Robben, der Weiße mit dem Zahnpastalächeln, der hätte er statt seiner Halbglatze eine blonde Gelmatte als Parade-Niederländer durchgehen würde. Und doch erwartet man von beiden das Gleiche: Auf dem Flügel die Lunte zu legen, um das Team zum explodieren zu bringen.

Man darf nicht vergessen: Das Märchen von den neuen, sachlichen Niederlanden ist nur der kleine Bruder vom Mythos der ewigen Schönspieler-und-trotzdem-nichts-Gewinner. Oft genug haben die Niederlande bei Turnieren grässlich gespielt, trotzdem ein paar Punkte geholt - und sind dann genauso nach Hause gefahren wie immer. Aber wenn sie die Konstanz in der eigenen Hälfte behalten und Arjen Robben fit wird (oder Eljero Elia endlich einmal von Beginn an spielen darf), dann könnte es natürlich gut sein, dass man erst merkt, wie straff die Handbremse in der Vorrunde wirklich angezogen war.

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