Beispielhafte Fanarbeit

Vor den Finalspielen zieht die Initiative "FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel" eine vorwiegend positive Bilanz in Bezug auf Rassismus, Antidiskriminierungsmaßnahmen und Fanbetreuung bei der WM in Deutschland.

Als Highlight der Maßnahmen sieht FairPlay die gemeinsame Initiative von FIFA, dem deutschen WM-OK und dem Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE) bei den Viertelfinalspielen. Die Kapitäne von Argentinien, Brasilien, England, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal und der Ukraine verlasen vor Anpfiff eine Botschaft gegen Rassismus. Die Mannschaften nahmen zudem kurz vor Spielbeginn hinter einem Transparent mit der Botschaft "Sag NEIN zu Rassismus" Aufstellung.

Diese positive Botschaft erfolgte nur wenige Tage nach dem ersten schweren Rassismusfall bei der WM. Frankreichs Trainer Raymond Domenech hatte erklärt, dass die schwarzen französischen Spieler vor dem Achtelfinale gegen Spanien bei der Ankunft im Stadion von Hannover mit Affenlauten verhöhnt worden waren. Laut Domenech gingen die rassistischen Schmährufe von spanischen Fans aus.

Für FairPlay-Koordinator Kurt Wachter keine Überraschung: "Spanische Fangruppen sind in den vergangenen Jahren immer wieder durch Rassismus aufgefallen. Beim Spiel gegen Frankreich zeigten einige im Stadion sogar den Hitlergruß. Auch die inakzeptablen Äußerungen von Teamchef Aragones gegen Thierry Henry sind uns noch gut in Erinnerung. Es ist höchste Zeit, dass sich im spanischen Fußball etwas ändert, hier sind der spanische Verband und die FIFA gefordert. Für die EURO 2008 zeigen dieser und andere rechtsextreme und rassistische Vorfälle bei der WM, dass wir wachsam bleiben müssen und ein großes Antirassismusprogramm mehr denn je notwendig sein wird."

Was die Fanarbeit bei der Endrunde betrifft, wurde das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" laut FairPlay an vielen Orten Realität. Der Stellenwert, die der professionellen Fanbetreuung in Deutschland bei der WM eingeräumt werde, sei vorbildlich, so die Netzwerker. Allerdings habe Deutschland dafür durch die Etablierung professioneller Fanbetreuungsstrukturen auch zwei Jahrzehnte lang Vorarbeit geleistet. Das WM-OK konnte in jedem Austragungsort auf die Erfahrung professioneller Sozialarbeiter zurückgreifen.

"Die Arbeit der Fanbotschafter war hervorragend. Die WM in Deutschland hat in diesem Bereich Maßstäbe gesetzt", sagt Heidi Thaler, die für FairPlay bei der WM unterwegs war. "Dieses Niveau wollen wir auch bei der EM in Österreich und der Schweiz bieten. Unser aller Engagement und Einfallsreichtum sind jetzt gefordert, zumal in Österreich noch kaum Strukturen für fanorientierte Arbeit existieren." In Kooperation mit der EURO 2008 und dem ÖFB will FairPlay noch in diesem Jahr ein erstes Konzept für Österreich vorlegen.

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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