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"Brasilien hat kein Stürmerproblem"

cache/images/article_2313_dscn2004_140.jpg WM-BLOG Er war Weltmeister und Weltfußballer: Ricardo Izecson dos Santos Leite, kurz Kaka. Bei einer Pressekonferenz im Posto adidas in Rio sprach der 32-jährige Mittelfeldspieler über seine Nichtberücksichtigung für die Heim-WM, den Achtelfinalgegner Chile und seine Zukunft beim AC Milan.

Trotz des Gruppensiegs sind die Brasilianer nicht besonders glücklich mit den bisherigen Leistungen ihres Teams bei der WM. Wie sehen Sie die bisherige Performance von Oscar, der ja eine ähnliche Position wie Sie spielt?
Kaka: Vor dem Turnierstart ist ein großer Druck auf ihm gelastet. Es hat Diskussionen gegeben, ob er in der Stammformation stehen soll oder nicht, aber er hat seinen Kritikern schon im ersten Spiel die Antwort gegeben, als er das 3:1 gegen Kroatien erzielt hat. Ich freue mich für ihn, denn obwohl er im offensiven Mittelfeld spielt, ist er ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler, was ihn mit mir verbindet. Er hält sich an taktische Vorgaben und kennt seine Position.

Wenn Brasilien ins Halbfinale kommen will, muss es sich gegen zwei südamerikanische Teams durchsetzen. Erst gegen Chile, dann gegen Kolumbien oder Uruguay. Ist es ein Vorteil, dass die Brasilianer diese Gegner aus früheren Qualifikationen und vom Südamerika-Cup kennen?
Jedes Match hat seine eigene Geschichte, eines aber steht fest: Die Südamerikaner sind generell stärker als bei der letzten WM in Südafrika - und das trifft auch auf Chile zu. Die Mannschaft hat sich gegenüber 2010 in vielen Belangen verbessert, die Spieler haben viel Erfahrung in Europa gesammelt. Brasilien hat im Vorjahr beim Confed-Cup gegen Uruguay im Halbfinale eines seiner besten Spiele gemacht. Es könnte also ein Vorteil sein für Brasilien auf südamerikanische Teams zu treffen, aber wir reden von der K.o.-Phase einer WM - da gibt es keine leichten Matches mehr.

Wie stark schätzen sie Uruguay ohne Luis Suarez ein? Und haben Sie schon einmal daran gedacht, einen Gegenspieler zu beißen?

Nein, das ist mir noch nie in den Sinn gekommen. Suarez war ein Schlüsselspieler für Uruguay, seine Sperre ist sowohl für das Team als auch für die ganze WM ein großer Verlust.

Brasilien war immer berühmt für seine Stürmer und hat Stars wie Romario, Bebeto und Ronaldo hervorgebracht. In der aktuellen Mannschaft vermissen die Fans solche Topspieler. Woran liegt das und kann Brasilien mit diesem Team die WM gewinnen?

Ich finde nicht, dass Brasilien ein Stürmerproblem hat. Es wäre vermessen, Fred und Jo mit Ronaldo oder Romario zu vergleichen, weil die absolute Extraklasse waren. Fred hat einen ausgezeichneten Confed-Cup gespielt. Er hatte Startschwierigkeiten bei der WM, aber nachdem er im letzten Spiel getroffen hat, bin ich zuversichtlich, dass er dem Team und den Fans noch sehr viel Freude bereiten wird.

Sind Sie traurig, dass Luiz Felipe Scolari Sie nicht ins brasilianische Team einberufen hat? Und wie verbringen Sie die fünf Wochen während des Turniers?
Nein, ich bin nicht traurig. Ich habe schon an drei Weltmeisterschaften teilgenommen und alles in meiner Macht Stehende gemacht, um auch heuer dabei zu sein, aber der Trainer hat sich anders entschieden. Also erlebe ich das Turnier als Fan der brasilianischen Mannschaft. Ich genieße es, denn eine weitere WM in Brasilien werde ich vielleicht nicht mehr erleben. Und ich denke, dass es ein sehr gutes Turnier ist bisher, auch von organisatorischer Seite.

Viele Fans bedauern es, dass Sie oder Ronaldinho Gaucho nicht in Scolaris Kader stehen. Warum haben die Brasilianer ein so starkes Verlangen nach Spielern wie Ihnen?
In Brasilien möchte jeder gern der Teamchef sein. Wie ich bereits gesagt habe: Ich wäre wahnsinnig gern dabei gewesen. Es ehrt mich, wenn die Leute sagen, dass sie mich gern dabei gehabt hätten. Das ändert aber nichts daran, dass Ronaldinho und ich volles Vertrauen in die Mannschaft haben.

2002 haben Sie mit dem brasilianischen Team im Finale Deutschland geschlagen. Was ist Ihr Eindruck von der aktuellen deutschen Mannschaft?
Deutschland ist gut vorbereitet in das Turnier gegangen und hat sehr gute Leistungen gezeigt. Sie können das Finale erreichen. Für mich war es sehr interessant zu beobachten, wie sich die Spieler in den vergangenen Jahren gesteigert haben, auch wegen der Stärke der deutschen Bundesliga. Jetzt müssen sie beweisen, dass sie auch bei einer WM bestehen können.

Es wird spekuliert, dass sie den AC Milan verlassen. Was ist da dran?

Das ist doch jedes Jahr dasselbe. Ich werde Milan nicht verlassen. Alles was ich dazu sagen kann, ist, dass ich am 19. Juli beim Trainingsbeginn wieder in Mailand vorstellig werde.

 

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