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Holpriger Start in die "Operation Hexa"

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WM-BLOG Brasiliens erster Auftritt bei der Heim-WM war geprägt von Kompensationspfiffen und anderen Unwegsamkeiten. Das Eröffnungsspiel gegen die Kroaten fand trotz eines Schönheitsfehlers am Ende die "richtigen" Sieger.

Keine Wolke trübt den Himmel, das Stadtzentrum von Sao Paulo ist aufgrund des Feiertags fast verwaist, die Stimmung dennoch hoffnungsvoll und heiter. Die Anfahrt zum Stadion erweist sich als weit problemloser als gedacht, der etwas nach mir gestartete Kollege Krennhuber kommt gar als Erster am Spielort an.

 

Nur noch etwa 200 Demonstranten haben sich eingefunden, um ihren Unmut gegenüber der FIFA-Sause kundzutun. "Nao vai ter Copa" (Es wird keine WM geben) hat merklich an Anziehungskraft verloren. "Vai Corinthians" (Auf geht's Corinthians) hallt es stattdessen auf den letzten Metern zum Stadion durch die Gassen. Kein Widerspruch: Denn die Brasilianer sind so klubfixiert, dass sie sogar oft zu Spielen der Selecao in den Trikots ihres Lieblingsvereins erscheinen.

 

Heute spannt sich jedoch eine gelb-grüne Wand um die teils noch sehr improvisiert wirkende Arena und die Masse an Brasilien-Fans hat nur eines im Sinn: Der sechste WM-Titel, Hexa, soll am 13. Juli in den Nachthimmel von Rio gestemmt werden. Der frühe Rückstand durch das Eigentor von Marcelo, ein kurzer Teilausfall des Flutlichts und einsetzende Schmähungen gegen Präsidentin Rousseff bringen zwar keinen guten Start, doch als Neymar in Minute 29 für den Ausgleich sorgt, ist zumindest der gröbste Unmut wieder verflogen. Als dann Neymar mit freundlicher Unterstützung des japanischen Schiedsrichters Yuichi Nishimura und trotz eines schwach geschossenen Elfers abermals einnetzt, macht sich Erleichterung breit. Das 3:1 durch Oscar ist nur mehr Draufgabe.

 

Ungetrübte Feierlaune bricht auch nach dem Schlusspfiff keine aus, denn die Diskussionen allerorts drehen sich um den äußerst umstrittenen Elfmeter. Dass Nishimura schon einmal ein Spiel der Brasilianer bei einer WM gepfiffen hat, und dabei - im Viertelfinale 2010 gegen die Niederlande - ein reguläres Kaka-Tor nicht gegeben hatte, liefert Verschwörungstheoretikern zusätzliche Nahrung. Es solle ein "Memorandum of Understanding" zwischen FIFA und brasilianischer Regierung geben, heißt es, wonach mit allen Mitteln versucht werde, ein frühzeitiges Ausscheiden der Gastgeber und einen damit verbundener Stimmungschwenk im Land zu verhindern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

Was bleibt, ist ein von Millionen erhoffter brasilianischer Auftaktsieg, eine halbwegs problemlose Feuertaufe für das 320 Millionen Euro teure Stadion und die dazugehörige Infrastruktur in Sao Paulo. Mit meinem nächsten Blogbeitrag melde ich mich dann aus der kulinarischen Hauptstadt des Landes, Belo Horizonte, wo am Samstag der südamerikanische Geheimfavorit Kolumbien auf Defensivstrategen aus Griechenland trifft. Vorfreude garantiert.

 

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Referenzen:

Rubrik: WM-Blog 2014
Thema: Brasilien
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