Brösel mit Kaká

cache/images/article_1469_brasilien_140.jpg WM-BLOG Dienstag war Kaká-Tag. Nicht auf dem Spielfeld, das er nach seinem Ausschluss im Spiel gegen die Elfenbeinküste bis zum Achtelfinale nächsten Montag nicht mehr betreten darf. Sondern auf der Pressekonferenz der brasilianischen Mannschaft im Fairway Hotel zu Johannesburg.
Robert Florencio | 25.06.2010
Interessanterweise war die Quintessenz des 20-minütigen Pressegesprächs nicht Kakás Ausschluss, übrigens erst sein dritter in seiner Kariere nach zwei bei seinem Stammklub FC São Paulo, wozu er Besserung versprach, sondern eine Verbalattacke gegen den bekannt kritischen Journalisten Juca Kfouri, der in seinem Blog www.blogdojuca.uol.com.br die Vermischung von Sport und »religiösem Merchandising« scharf kritisierte. Erstmals war der Weltöffentlichkeit diese von Kaká und weiteren brasilianischen Spielern nach dem Sieg im Confederations-Cup-Finale 2005 gegen Argentinien präsentiert worden.

Kaká nutzte dazu auf der Pressekonferenz eine von Kfouris Sohn (!) gestellte, in keinem Zusammenhang mit dem Streit stehende Frage um seine Wut zu artikulieren. »Seit einiger Zeit richtet dein Vater seine Kanonen gegen mich und deckt mich mit heftigem Artilleriefeuer ein, und all das nur, weil er meine Religion nicht toleriert. Ich akzeptiere ihn als Atheisten, dann soll er bitte auch meinen Glauben, den ich mit Millionen von anderen Brasilianern teile, nicht beschmutzen.«
 
Kaká ist treues Mitglied der evangelikalen Kirche »Renascer em Cristo« (Christliche Wiedergeburt), die von einem Ehepaar geleitet wird, das vergangenes Jahr beim Versuch, mehrere Tausend US-Dollar in einer Bibel versteckt in die USA einzuführen, am Flughafen von Miami verhaftet wurde. Es handelt sich bei dieser Glaubensrichtung laut Südwind-Reportage vom Dezember 2009 um eine Kirche der »Upper Middle Class« aufwärts, die ihren Mitgliedern relativ hohe Beiträge gegen Zusicherung der Richtigkeit ihrer Handlungen abknöpft.

Kaká reagierte auf die Verhaftung des Ehepaars mit den empörten Worten: »Das muss ein Werk Satans gewesen sein.« Er selbst nahm es mit der christlichen Nächstenliebe übrigens nicht so ernst, als es seinerzeit um die Auflösung seines Vertrags mit dem FC Sao Paulo ging. Er stellte die Vereinsführung, die ihn auch nach dem in seiner Jugend erlittenen schweren Unfall immer unterstützt hat, vor die Alternative, ihn entweder sofort zu verkaufen oder er würde unmittelbar nach Vertragsende am Ende der Saison kostenfrei wechseln. Der Verein weigerte sich in der Folge aus Gründen der politischen und religiösen Neutralität einen offiziellen Abgesandten zu Kakás Hochzeit in den Haupttempel der Sekte zu schicken.

Juca Kfouri ist übrigens in seiner Heimat das, was der englische Journalist Andrew Jennings auf Weltebene für die FIFA ist. Ein rotes Tuch. Ein Mann, der sich kein Blatt vor dem Mund nimmt, schon mehrmals in gerichtliche Dispute mit dem mächtigem Verbandschef Ricardo Teixeira verstrickt war, und sich gerade deshalb sowohl in der Journalistenszene als auch der interessierten Allgemeinheit großen Respekt erwerben konnte

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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