Es kommt selten etwas Gutes dabei heraus, wenn Vereinsobmänner in die Kabine gehen, um ihren Spielern die Leviten zu lesen. Was nach dem präsidentiellen Auftritt von Johan Vermeersch aus der Kabine des FC Brussels gedrungen ist, war besonders schlecht: ein Bericht über rassistische Bemerkungen des Molenbeek-Chefs gegenüber seinem kongolesischen Spieler Zola Matumona. Er solle sich endlich dessen bewusst sein, dass er nicht mehr bei sich zu Hause, im Land der Bäume und Bananen, sei, sagte Vermeersch laut Ohrenzeugen.
Der Vorfall hat recht unterschiedliche Schlussfolgerungen gezeitigt. Zola Matumona erwägt, aus seinem Vertrag auszusteigen. Vermeersch ist der Ansicht, dass der Spieler von Beratern, die die Situation ausnutzen wollen, irregeleitet wird. Er meint weiters, dass es unprofessionell von den Spielern gewesen sei, die bedenklichen Äußerungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Drittens kommt der Präsident zu dem Schluss, dass er sein Vokabular ändern und einen Vereinssprecher einstellen müsse. An seinem Charakter will Vermeersch aber nichts ändern, denn: »Man wird mit einem bestimmten Charakter geboren, man schläft mit einem bestimmten Charakter und man stirbt mit einem bestimmten Charakter.«
Vermeersch bestreitet heftig, ein Rassist zu sein. Als Nachweis führt er ins Treffen, dass drei Viertel der in letzter Zeit zum Verein gekommenen Nachwuchskicker afrikanischer Herkunft seien. Außerdem bot er allen seine Entschuldigung an, die »die Äußerungen als rassistisch empfunden haben« und stellte sich im öffentlichen Fernsehen einer Debatte mit einem Vertreter der afrikanischen Gemeinschaft sowie des staatlichen Zentrums für Chancengleichheit und Antidiskriminierung.
Die weitreichendste Konsequenz zog Kia Motors, der Hauptsponsor des FC Brussels. Das Unternehmen kündigte aus Imagegründen umgehend seinen Vertrag. Drei Tage später liefen die auch sportlich schwächelnden Brüsseler ohne Kia auf der Brust aufs Spielfeld und gingen mit 0:4 gegen die bis dahin sieglose KV Mechelen unter. Auch wenn Vemeersch es noch dementiert, steht jetzt die Existenz des Vereins auf dem Spiel.






erscheint am 12. Juli 2013.
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