Cesky Fotbal: Ein Känguru, zwei Welten

cache/images/article_1100_klokan_140.jpg Die Prager Bohemians stehen vor der Rückkehr in die erste tschechische Liga. Dort spielt auch der FC Bohemians, der den edlen Namen und das Känguru im Wappen vor drei Jahren vom Traditionsklub übernommen hat.
Stephan Wabl | 05.11.2008
Antonín Panenka steht eine Stunde vor Spielbeginn hinter der Haupttribüne. Der Europameister von 1976  und Präsident der Bohemians 1905 Prag sieht etwas angespannt aus. Das Stadion ist voll, fast 8.000 sind gekommen. Im Spitzenspiel der zweiten Liga geht es gegen Tabellenführer FC Jihlava. Und: Panenkas Klub feiert  das 25-jährige Jubiläum des größten Erfolges in der Vereinsgeschichte: den Titel aus der Saison 1983/84. Da hieß der Klub noch FC Bohemians Prag.

Der FC Bohemians spielt mittlerweile einen Bezirk weiter nördlich in der Gambrinus-Liga, Tschechiens höchster Spielklasse, gegen den Abstieg. Beim »Sechs-Punkte-Spiel« gegen den Tabellennachbarn aus Zlín sind 500 Zuseher im Stadion und das liegt weniger am trüben Novemberwetter als an der mangelnden Tradition. Im Sommer 2005 hieß der Klub noch FC Strizkov und kickte in der dritten Liga. Dann schnappte man sich Name, Wappen und Farben des insolventen FC Bohemians und spielte sich nach oben.

Die eigentlichen Bohemians retteten sich im Sommer 2005 durch eine große Spendenaktion vor dem finanziellen Aus, musste sich aber in Bohemians 1905 umbenennen und stieg in der Saison 2005/06 in der dritten Liga ein. Dort traf man erstmals auf die Neo-Bohemians, die sich den Originalnamen eingestreift hatten. Zu den Spielen des ehemaligen FC Strizkov kamen im Schnitt 150 Zuseher, für das Match gegen die Bohemians 1905 musste man ins große Strahov-Stadion ausweichen. 5.000 Zuseher sahen ein 1:1 der beiden Klubs mit dem Känguru-Wappen. In der Rückrunde gab es vor ausverkauftem Haus ein 0:0.

Bohemians 1905 stieg am Ende der Saison auf, wurde nochmals Meister und spielt nach einem einjährigen Intermezzo ganz oben nun wieder in der zweiten Liga. Der FC Bohemians kickte sich im Frühjahr 2008 in die Gambrinus-Liga.

Trotz ähnlicher Namen, Wappen und Farben trennen die beiden Klubs Welten. Vor dem Spiel von Panenkas Bohemians gegen Jihlava werden die am Spielfeld aufgereihten elf Helden der gewonnen Meisterschaft 1984 von den 8.000 Fans minutenlang gefeiert. Als Hommage spielt die aktuelle Kampfmannschaft danach in Retro-Dressen von damals, ohne Werbeaufdrucke. Man stellt sich an, um den Pokal zu sehen. Auch ohne Jubiläum und Spitzenspiel kommen im Schnitt 6.000 Zuseher zu den Zweitliga-Spielen.

Einige hundert Meter weiter nördlich hängt beim Erstliga-Kellerduell des FC Bohemians gegen Zlín ein einziges Transparent: »Fans of Bohemians Strizkov«. Auf der Tribüne dahinter haben sich rund 30 Supporters eingefunden, zwei spielen Trompete, der Rest singt sich die Seele aus dem Leib. Die wenigen hundert Besucher sitzen verteilt im Stadion von Viktoria ikov, in dem der FC seine Heimspiele austrägt. Das eigene Stadion reicht für die erste Liga nicht aus.

Tatsächlich können die neuen Bohemians den alten nicht das Wasser reichen. Am Rasen steht es allerdings noch immer Unentschieden. Vielleicht nicht mehr lange. Denn die 1905er gewinnen gegen Jihlava mit 2:0 und setzen sich an die Tabellenspitze. Der FC verschafft sich durch ein 1:0 gegen Zlín Luft im Abstiegskampf. Das Premieren-Duell in der ersten Liga rückt näher.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png