»Da Papierane, des Banagstöh«

cache/images/article_1237_skero_140.jpg Auf seinem eben bei Hoanzl erschienenen Soloalbum »Memoiren eines Riesen« huldigt Skero nicht nur Künstlern und Radfahrern, sondern auch dem Fußball. Mit dem ballesterer sprach das Texta-Mitglied über sein fiktives Match von Strizzis gegen Legenden, unnötige Hooligan-Wappler und die Verbindung von Fußball und Hip-Hop.
Reinhard Krennhuber | 25.06.2009
ballesterer: Nach 16 Jahren Texta hast du jetzt dein erstes Soloalbum herausgebracht. Mit einer »Fuaßboi«-Nummer war dabei nicht unbedingt zu rechen. Wie ist es dazu gekommen?
Skero: Der Beat stammt vom Urbs, das Sampel ist sehr lang und hat starke Geschwindigkeitswechsel wie beim Fußball. Deswegen die Idee, ein Fußballmatch drüber zu legen. Außerdem wollte ich eine Nummer machen, in der die ganzen Mundartausdrücke vorkommen, die es zu dem Thema gibt. Also haben wir eine Liste gemacht, uns über die Spieler informiert und dann habe ich versucht, alles in den Text einzubauen. Zwei Halbzeiten, zwei Strophen: der Strizzi FC gegen die Legenden vom Wunderteam bis hinauf in die 60er Jahre.  
Was steckt hinter der Idee, Stars wie Matthias Sindelar oder Erich Hof gegen Verbrecher antreten zu lassen?
Es ist ein Aufeinandertreffen von Können und Korruption. Die Idee, dass die Strizzis den Schiri austauschen und damit das Spiel ins Chaos führen, hat mir gut gefallen. Es ist teilweise auch eine Parabel auf die weltweite politische Situation.
Die Nummer ist gespickt mit speziellen Slang- und Fachausdrücken wie »Lutschn«, »Banagstöh« oder »Eisnbauna«. Wie ist die Recherche dazu abgelaufen?Da haben wir nicht groß recherchieren müssen. Es hat gereicht, das Gehirnschmalz ein bisserl anzustrengen.  
Huckey hat in einem ballesterer-Interview über die Fußballbegeisterung der Texta-Leute einmal gesagt »...am härtesten ist eigentlich der Skero, für den sind wir die Fußballproleten, die ins Stadion gehen und blöd herumschreien.« Hat sich an dieser Einstellung was geändert?
Nichts hat sich geändert. Mir gefällt am Fußball die Begeisterung, die Fairness, die Bewegung und das Proletentum. Aber stupides Fantum und Hooligan-Wappler, die sich an ihrem Verein hochziehen, finde ich abstoßend. Auch dieses ganze FIFA-Getue, Trainer in Anzügen und Leute, die tun als wäre Fußball eine Wissenschaft, finde ich lächerlich gerade in Österreich.
Die österreichische Hip-Hop-Szene ist teilweise sehr fußballbegeistert. Wie stehst du zu dieser Verbindung auch analog zu Hip-Hop und Basketball in den USA?
Ich bin da eher ein Laie und leider auch sehr unsportlich. Zur Recherche war ich mit DSL und Urbs aber auf der Friedhofstribüne vom Wiener Sportklub. Das war schon lustig, auch wenn das Spiel eher fad war. Ich habs gut gefunden, dass sich die Fans gegenseitig respektieren. Vielleicht bin ich aber auch nur ein gebranntes Kind, weil ich von der Hauptschule her ein paar Linzer Hools kenne und mit denen nie was zu tun haben wollte. Für mich hat Sport klare Regeln, die eingehalten und akzeptiert werden müssen, damit man auch mit Würde verlieren kann.

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Rubrik: Aktuell
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