Dänemarks Kampf gegen die Geschichte

cache/images/article_1427_dänemark_140.jpg WM-BLOG Pünktlich zu jeder WM-Endrunde werden dieselben Stereotypen bemüht: Dänemark sollte demnach offensiv begeistern. Doch vom »Danish Dynamite« der 1980er Jahre ist nicht mehr als eine blasse Erinnerung übrig. Der »König des Fußballs« Michael Laudrup flüchtet sich daher in patriotischen Zweckoptimismus.

Georg Pitschmann | 13.06.2010
Manche Stereotype sind, so dämlich sie auch sein mögen, einfach nicht aus der Welt des Fußballs zu kriegen. Gerne wird selbst von angeblichen »Spezialisten« diverser Rundfunkanstalten von ausnahmslos jedem brasilianischen Kicker »Samba-Fußball« mit allerelei Tricksereien und Finten erwartet. Sollte der entsprechende Spieler dann anstelle der Gustostückerl einen biederen Rückpass bevorzugen, wird ihm abrupt jede fußballerische Eignung abgesprochen. Ähnliches gilt für die dänische Nationalmannschaft, wenn es um die Frage der spielerischen Ausrichtung geht. Seit dem spektakulären Abschneiden bei der WM 1986 (mehr dazu in der ballesterer-WM-Ausgabe) wird von den dänischen Kickern gerne leidenschaftlicher Offensivfußball erwartet obwohl dieses Charakteristikum bereits seit geraumer Zeit nicht mehr zutrifft.

Nach dem sensationellen Europameistertitel 1992 geschah die letzte große Detonation des »Danish Dynamite« 1998 in Frankreich: Nach einem fulminanten 4:1 gegen Nigeria schied die Mannschaft erst im Viertelfinale unglücklich gegen Brasilien aus. Seither ist es um das dänische Team still geworden. Dänemark konnte sich zwar regelmäßig für WM- und EM-Endrunden qualifizieren, vom ehemals praktizierten Offensivfußball ist jedoch nicht mehr viel übrig geblieben.

Auch heuer wird es die dänische Auswahl nach eher bescheidenen Testspiel-Leistungen wie etwa gegen Österreich schwer haben, an vergangene Erfolge anzuschließen für Michael Laudrup, laut Tageszeitung Politiken der »König des Fußballs«, steht der Aufstieg ins Achtelfinale jedoch außer Frage. Für die Boulevardzeitung Ekstra Bladet wagte er eine durchaus optimistische Prognose zum Abschneiden der dänischen Kicker in Südafrika. Gegen die Niederlande prophezeit Laudrup ein Unentschieden, gegen Japan und Kamerun sollen dann jeweils drei Punkte folgen. Da die ganz großen Stars in der dänischen Auswahl fehlen, sieht Laudrup die Stärke der dänischen Auswahl vor allem »im starken Kollektiv«. Das klingt nach patriotisch motiviertem Zweckoptimismus würde man jedoch einem König widersprechen? Eben. Held og lykke, Danmark! Am 14. Juni geht's los, in Johannesburg warten die Niederländer.

ballesterer # 120

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