Danke, Rapid!

Wieder eine Niederlage von Rapid, am Wochenende in Mattersburg mit 1:0 untergegangen. Und dennoch: Alles ist gut.
Wenzel Müller | 27.11.2006
Wachen und Schlafen, Aktivität und Entspannung, Systole und Diastole, Deporalisation und Repolarisation - in allen biologischen Systemen finden sich rhythmische Prozesse. Mal zeigt die Kurve nach oben, mal nach unten. Rhythmus ist, sagt die Chronobiologie, ein universales Prinzip in der Natur. Zeigt ein Organsystem überhaupt keine Dynamik mehr, so ist das ihrer Ansicht nach ein höchst bedenkliches Zeichen.
Rapid zeigt Dynamik, eine sehr große sogar, und insofern zeigt sich der Verein bei bester Gesundheit. Gestern Champions-League, heute der Kampf gegen den Abstieg. Eben hieß der Gegner noch Bayern München, morgen vielleicht schon Schwanenstadt. Die Ausschläge nach oben und unten zeugen von einem intakten System.
Der Rapid-Fan nimmt an den Berg- und Talfahrten unmittelbar teil, und die wirken auf ihn wie belebende Vitalspritzen. Kein eintöniges Gleichmaß, sondern bald dieser, bald jener Exzess. Dass die Dosis einmal zu hoch werden könnte, das muss man nicht befürchten. Dazu hat der Rapid-Fan einfach schon zu viel erlebt, er hat das Paradies (Dokupil) gesehen und auch die Hölle (Matthäus). Was soll ihn da noch erschüttern?
Wie langweilig, denkt der Rapid-Fan bei sich, muss doch das Leben der Salzburg- oder Bayern-München-Fans sein! Immer nur Siege, oft genug gepaart mit Dussel. Ein Leben, das zwangsläufig an der Oberfläche bleiben muss, da es die Tiefen blöder Niederlagen und ordentlicher Depressionen gar nicht kennt.
Und was würde ein Krankl machen, wenn Rapid derzeit erfolgreich spielen würde? Er würde sich nur überflüssig vorkommen, entbehrlich und ersetzbar. So kann er aber wüten und sich als Retter aufspielen - und wird dafür auch noch von der Zeitung ÖSTERREICH in Brot und Arbeit gesetzt. Wir dürfen uns Krankl also als einen sehr zufriedenen Menschen vorstellen.
Alles ist also gut. Trotzdem, Rapid, sieg mal wieder!

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Rubrik: Weekender
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