»Das Beste kommt noch«

cache/images/article_1482_spanien_140.jpg WM-BLOG Die Schrecksekunde nach Spaniens vermaledeitem Auftakt währte einige Tage. Nach dem doch noch hingebogenen Gruppensieg und dem Aufstieg ins Achtelfinale ist Fernando Torres und Co. wieder der Kamm geschwollen. »Das Beste kommt noch«, versprach der bisher torlos gebliebene Torres. Johan Cruyff und Luis Aragones übten sich vor dem Portugal-Match indessen in Sticheleien gegen Teamchef Vicente del Bosque.
Edgar Schütz | 29.06.2010
David Villa hat im Gegensatz zu Torres schon drei Tore auf dem Konto und kann den Mund ziemlich voll nehmen. »Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir das Zeug haben, alles zu erreichen.« Doch auch sein Sturmpartner übt sich nicht mehr in Bescheidenheit: »Alle Welt weiß, dass Spanien mehr drauf hat, weil wir große Momente erlebt haben, große Partien gespielt haben. Dieses Niveau wollen wir wieder erreichen.« Das desaströse 0:1 gegen die Schweiz sieht der Liverpool-Striker mittlerweile durchaus positiv:  »Danach haben wir gewusst, dass nur noch Siege zählen. Da ging es bei jedem Spiel um alles oder nichts.« So gesehen sollte sich Spanien an den Druck der Ausscheidungsspiele gewöhnt haben.

Skeptische Stimmen kommen von außerhalb. Trotz des Weiterkommens hat der Europameister die kollektiven Erwartungen in der Heimat nämlich noch nicht erfüllt. Ex-Teamchef und EM-Held Luis Aragones bringt immer wieder seine Sticheleien an. So auch vor dem Achtelfinal-Match gegen Portugal. »Ich bin nicht sehr optimistisch für die Partie«, vertraute er einem portugiesischen Radiosender an, »Spanien hat sich zuletzt nur Schritt für Schritt verbessert.« Keine Frage, dass diese Aussagen gleich brühwarm von den spanischen Sportzeitungen Marca und As übernommen wurde.

Portugal hat eine »große Nationalmannschaft«, lobte Aragones, »das wird sehr schwer.« Spaniens Team wiederum spiele seine Stärken grundsätzlich dann aus, wenn es den Ball besitze, analysierte »der Weise von Hortaleza«. Sollte es den Portugiesen aber gelingen, ihnen den Ball zu entreißen, hätten sie durchaus gute Chancen auf den Sieg. Bisher wurde Aragones von der Mannschaft seines Nachfolgers Del Bosque jedenfalls nicht überzeugt: »Es ist die dieselbe spanische Mannschaft, aber zu Beginn des Turniers war sie nicht auf der Höhe. Es hat einfach das Tempo gefehlt.«

Damit nicht genug, bekommt Del Bosque auch von anderer Seite gute Ratschläge. In der  Tageszeitung El Periódico meldete sich Johan Cruyff zu Wort, seines Zeichens Legende des FC Barcelona und »Teamchef« Kataloniens. Er kreidete Del Bosque an, dass er in der Vorrunde jeweils mit Xabi Alonso und Sergio Busquets im Mittelfeld angetreten war. »Dieses Tandem schadet dem Team. Ich denke, auf einen der beiden muss verzichtet werden«, dozierte Cruyff in Richtung des »Seleccionadors«. »Die Wahl fällt ihm schwer?«, fragte Cruyff, um sich gleich selbst eine Antwort zu geben: »Moralisch verständlich, aber noch schlechter ist es, eine unausgewogene Mannschaft zu haben.«

Fazit: Sollte Del Bosque nicht mit dem WM-Pokal nach Hause kommen, stehen ihm schwierige Zeiten bevor. Verbandspräsident Angel Maria Villar hatte dem Coach gleich nach der Niederlage gegen die Schweiz das bedingungslose Vertrauen ausgesprochen. Das ist zumeist eine gefährliche Drohung...

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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