Das Ende der Unendlichkeit

cache/images/article_2098_8992873187_4a016f0da2_c_140.jpg Der ASV Spratzern hat am Samstag zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den ÖFB Ladies Cup gewonnen. Damit kratzen die Sankt Pöltenerinnen an der Vorherrschaft des NÖSV Neulengbach, der zuletzt zehn Mal in Folge das Double gewonnen hat.
Mathias Slezak | 11.06.2013

»An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit.« Zu den Klängen der Toten Hosen stemmen die Frauen des ASV Spratzern am FAC-Platz den Pokal in die Höhe. Sie haben gerade erstmals in der Vereinsgeschichte den ÖFB Ladies Cup gewonnen und damit eine Serie beendet, die zumindest einen Hauch von Unendlichkeit hatte. Seit der Saison 2002/03 war der NÖSV Neulengbach das Maß der Dinge im österreichischen Frauenfußball: Zehn Mal in Folge konnten sich die Niederösterreicherinnen das Double sichern.  


Mit dem ASV Spratzern ist ein neuer Herausforderer aufgetaucht. Der Verein aus Sankt Pölten konnte sich bereits im ersten Jahr nach dem Aufstieg 2011 den Vizemeistertitel hinter den Neulengbacherinnen sichern und auch in der aktuellen Saison entschied nur die bessere Tordifferenz zugunsten des Serienmeisters. Eine dementsprechend ausgeglichene Partie erwarteten die Zuschauer vor dem 39. Finale des ÖFB Ladies Cup am FAC-Platz in Wien.


Steh auf, wenn du am Boden bist
Das Finale war bis zur 88. Spielminute jedoch eine äußerst einseitige Angelegenheit. Der ASV Spratzern dominierte das Spiel und ging nach einer halben Stunde durch Julia Tabotta in Führung. Noch vor der Pause erhöhte die Brasilianerin Darlene de Souza Reguera auf 2:0. Die Stürmerin, die bis zum Sommer 2012 für Neulengbach gespielt hat, erzielte in Minute 53 auch das 3:0 und sorgte so für die vermeintliche Entscheidung. »Sie war sicher die entscheidende Spielerin heute. Mit ihr ist eine Mannschaft um 50 Prozent stärker«, sagte Neulengbach-Trainer Hannes Uhlig, der das Spiel beim Stand von 0:3 bereits verloren geglaubt hatte: »Ich hätte mir nicht gedacht, dass wir noch ausgleichen können.« Das dachte zu diesem Zeitpunkt auch noch kaum jemand der 500 Zuschauer. Nachdem die Brasilianerin Darlene in der 84. Minute ausgewechselt wurde und sich ihren verdienten Abschiedsapplaus abholen durfte, warteten fast alle nur mehr auf den Schlusspfiff.


Es folgte jedoch die Aufholjagd der Neulengbacherinnen, die innerhalb von nur fünf Minuten durch Tore von Teamstürmerin Nina Burger und einen Doppelpack von Alexandra Biroova ausglichen und die Verlängerung erzwingen konnten. »Ich hab mir gedacht, dass es irgendwo doch ein Loch geben muss, in dem ich mich verkriechen kann«, sagte Spratzern-Trainerin Brigitte Entacher nach dem Spiel. In der Verlängerung musste ihre Mannschaft dann zweimal auf der Linie das drohende 3:4 abwehren und so wurde das Damen-Cup-Finale erstmals seit 19 Jahren wieder durch ein Elfmeterschießen entschieden.


Bis zum bitteren Ende

Dort vergaben Kapitänin Burger auf Neulengbacher und Annelie Leitner auf Spratzerner Seite. Vor den letzten Schützinnen stand es 3:3. Neulengbach-Innenverteidigerin Natascha Celouch scheiterte an der Latte und gab Spratzern-Kapitänin Monika Matysova die Chance zur Entscheidung. Die Slowakin behielt die Nerven, verwandelte sicher ins Kreuzeck und schoss ihre Mannschaft zum ersten Cupsieg der Vereinsgeschichte.


Damit ging die beeindruckende Serie des NÖSV Neulengbach zu Ende. »Es war klar, dass das irgendwann passieren würde. Wir haben heute nicht gut gespielt und ich gratuliere Spratzern zum Cupsieg«, sagte Neulengbach-Trainer Uhlig, der jedoch bereits eine Kampfansage für die kommende Saison machte: »Nächstes Jahr holen wir wieder das Double!«


Wünsch dir was

Eine Zielsetzung, die auch beim Cupsieger Spratzern ausgegeben wurde. »Nächstes Jahr haben wir den Meistertitel anvisiert und natürlich wollen wir auch den Cupsieg wiederholen«, sagte Brigitte Entacher, betonte aber auch, dass man erst am Anfang des Weges stehe: »Was wir heute geschafft haben, ist genial. Wir sind ja erst seit zwei Jahren in der ÖFB-Frauenliga. Jetzt wollen wir weiter gute Arbeit leisten und langfristig ein schlagkräftiges Team aufbauen.«


Wahrscheinlich wird es auch in der kommenden Saison wieder zu einem Zweikampf zwischen den beiden niederösterreichischen Vereinen kommen. Das soll sich langfristig aber ändern. »Das Problem ist, dass es noch zu wenige Mannschaften auf demselben hohen Niveau gibt«, so ÖFB-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer. Dadurch seien auch Überraschungssieger wie der FC Pasching bei den Herren noch nicht möglich: »Ein Drittligist als Cupsieger ist bei den Frauen noch absolute Zukunftsmusik.« Zumindest die Zeit der scheinbar unendlichen Siegesserien soll aber vorbei sein. Oder um es mit den Toten Hosen zu sagen: »Alles wird vorübergehen.«

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