Das Erfolgsgeheimnis der Anderen

RasenBallsport Leipzig droht das zweite Mal in Folge am Drittliga-Aufstieg zu scheitern, der Verein hat vier Spieltage vor Saisonende sieben Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Beim Halleschen FC hingegen kann gejubelt werden nicht zu Unrecht.
Bastian Pauly | 24.04.2012
Fußball ist ein Mannschaftssport. Diese ausgelatschte Plattitüde ist kaum origineller als Franz Beckenbauers jüngstes Bonmot, mit einem Sieg nach Madrid zu fahren, sei eine ganz andere Situation (als mit einem Unentschieden). Allein, der »Kaiser« hat Recht, und genauso scheint es sich auch mit der eingangs aufgeworfenen These zu verhalten. Das abermalige Scheitern von RB Leipzig (RasenBallsport-Leipzig-Mittelfeldspieler Timo Röttger: »Das wars leider.«; RB-Kapitän Daniel Frahn: »Das ist sehr, sehr bitter. Wir müssen uns gedanklich mit einem weiteren Jahr vierte Liga befassen.«) steht wohl fest. Und das scheint an Mängeln im Gesamtpaket zu liegen, zumindest attestiert dies Guido Schäfer in der Leipziger Volkszeitung: »Dem Club mit dem XXL-Etat weht in der eh rauen vierten Liga heftiger Wind entgegen, die Rasenballer müssen sich mit ähnlichen Problemen wie die Bayern in Liga eins herumschlagen: Gegen RB und FCB geben alle alles. () Trainerteam und Mannschaft waren im Duett schlichtweg nicht gut genug, um all die Widerstände dieser speziellen Regionalliga regelmäßig zu brechen.«

 

Roman Wallner, Sinnbild des Irrsinns
In der verhinderten Sportstadt begeht auch Red Bull jene Fehler, die für die Leipziger Malaise seit jeher symptomatisch sind. Roman Wallner sein Name ist ein Sinnbild. Am 11. Jänner hatte die Leipziger Volkszeitung Vollzug gemeldet: »Salzburg gibt Wallner frei.« Ein Irrsinn, zumal das Team von Peter Pacult zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Punkt hinter Herbstmeister Kiel lag. Ein österreichischer Nationalspieler im besten Fußballeralter, bundesligaerfahren, wechselt in die deutsche Regionalliga. Wallner schlug ein, im ersten Spiel, beim 8:2 gegen den SV Wilhelmshaven, traf er dreimal doch das wars dann auch schon. In den folgenden elf Spielen reichte es nur für zwei magere Tore, beim 0:1 in Kiel blieb Wallner zum siebten Mal in Folge torlos.

Warum läuft es nicht? Trotz Transferflatrate, trotz schier unbegrenzter Möglichkeiten? Alles Spekulation. Zumindest leuchtet es ein, dass auch eine professionelle Fußballmannschaft mit permanentem Loyalitätsentzug überfordert werden kann. Carsten Kammlott, jenes gefeierte Talent aus der Region? Ein von Torgefährlichkeit befreiter Edeljoker. Maximilian Watzka, Tom Geißler? Leipziger Namen ohne rot-weiße Strahlkraft. Sven Neuhaus, Nico Frommer? Abgesägt. Dazu kommt die rege Fluktuation in der Vereinsspitze. Hoffnungsvolle und gewesene Namen kommen und gehen. Das Scheitern ist allgegenwärtig. Gewiss, so funktioniert Leistungssport, das sind zugleich die zumindest theoretischen Spielregeln unserer Gesellschaft. Aber ein Erfolgsgarant ist diese Personalpolitik keinesfalls.

 

Alternativen aus Chemnitz und Halle
Die sportliche Entwicklung straft die populäre Erzählung von der Alternativlosigkeit des Projekts RasenBallsport Leipzig, von der Aussichtslosigkeit der sportlichen Ambitionen der ostdeutschen Traditionsvereine, Lügen. Im vergangenen Jahr gelang dem Chemnitzer FC mit Trainer Gerd Schädlich der Aufstieg. Schädlichs Leistung kann gar nicht hoch genug bewertet werden er, der einst den FSV Zwickau und Erzgebirge Aue in die zweite Liga führte und in Leutzsch 1997 überstürzt aus dem Amt befördert wurde.

Nun steht der Hallescher FC vor dem Aufstieg. Was Trainer Sven Köhler seit nunmehr fünf Jahren in Halle leistet, ist beeindruckend. Mit Antifußball an die Tabellenspitze: Der HFC wäre ein verdienter Aufsteiger, sicherlich nicht wegen berauschender Fußballfeste, sondern vielmehr wegen der kompromisslosen Effizienz, die die Elf von Sven Köhler auszeichnet. Für hektische Personalentscheidungen sind die Hallenser, die einmal aus dem Schatten der großen Nachbarn aus Leipzig heraustreten könnten, jedenfalls nicht bekannt. Vielleicht liegt darin ja das Erfolgsgeheimnis.

 

Dieser Text erschien bereits auf Bastian Paulys Blog »Chemieblogger«.

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