Das nächste Spiel ist immer das letzte

cache/images/article_1323_lestienne_140.png Seit das Lizenztribunal der belgischen Liga den sofortigen Ausschluss des bankrotten Erstligisten Royal Excelsior Mouscron aus der laufenden Meisterschaft verkündet hat, verliert der Verein laufend Spieler. Aber keine Spiele mehr. Einziger verbliebener Stammspieler ist der 17-jährige Maxime Lestienne.
Klaus Federmair | 10.12.2009
Das Urteil fiel unmittelbar vor der dreizehnten Runde: Excelsior wurde die Lizenz entzogen. Der abstiegsgefährdete Klub konnte schließlich nur deshalb gegen Meister Standard Lüttich spielen, weil der Verein ein Dringlichkeitsverfahren vor einem ordentlichen Gericht anstrengte, in dem er die Legitimität der Lizenzbehörden bezweifelt.

Abschiedspiel Nr. 1
Ein vermeintlich letztes Mal bäumten sich die Spieler auf und rangen Standard ein beachtliches 0:0 ab. »On ne bougera pas!« sang der harte Kern der Fans noch eineinhalb Stunden nach Spielende in der Kurve des ansonsten menschenleeren Stadion: Wir bewegen uns nicht weg von hier!
Das war am 30. Oktober. Seither regnet es vor jedem Spiel neue Hiobsbotschaften. Nicht nur die potenziellen Sponsoren springen reihenweise ab, auch das leidgeprüfte Personal ist kaum noch zur Arbeit zu bewegen.

Wer noch da ist, spielt
Nach dem Unentschieden gegen Standard gab das Trainerteam unter Miroslav Djukic seine Jobs auf. Einzig Tormanntrainer Hans Galjé blieb und übernahm den Cheftrainerposten, die Trainings werden aber nur noch von einem Teil des Kaders bestritten. Das gilt auch für die Spiele, denn immer weniger Profis wollen sich unbezahlt der Verletzungsgefahr aussetzen. Von Spiel zu Spiel sucht sich der Coach eine Mannschaft aus verbliebenen Reservisten und Nachwuchsspielern zusammen.
Als einziger Stammspieler führte der 17-jährige Maxime Lestienne sein Team am Krampustag zu einem 2:1-Auswärtssieg über Roeselare. Anschließend legte er öffentlich sein Glaubensbekenntnis ab: »Ich bin mit vier oder fünf Jahren zum Klub gekommen und habe seither kein Heimspiel verpasst. Dieser Verein hat mir so viel gegeben, dass ich ihm jetzt etwas zurückgeben will. Ohne Angst, mich zu verletzen.«

Siegreich in den Untergang
Seit dem Unentschieden gegen Standard gewinnt Lestienne gemeinsam mit den anderen Jugendlichen und Reservisten von Mouscron nur noch. Neun Punkte aus drei Spielen und ein Torverhältnis von 7:1 stehen bis zum Nikolaustag zu Buche.
Ob sich Excelsior am 12. Dezember gegen Lokeren ein weiteres Mal vor heimischem Publikum verabschieden wird, steht wie üblich wenige Tage vor dem Spiel noch in den Sternen. Inzwischen wurde mit Alain Zenner ein Masseverwalter nominiert. Er wird in den nächsten Tagen entscheiden, ob sich der Überlebenskampf noch lohnt. Sicher scheint momentan nur eins: Maxime Lestienne ist bereit dazu.

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Rubrik: Aktuell
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