Das Vorspiel vom Vortag

Österreichs Fußballer gewinnen das Freundschaftsspiel gegen Finnland mit 3:1. Das Klagenfurter Publikum ist während der Heimspielpremiere von Teamchef Marcel Koller mit den Gedanken aber schon beim großen Eishockeyschlager des KAC. Und auch auf dem Rasen erweisen die Fußballer dem Eishockey ihre Reverenz.
Martin Schreiner | 01.03.2012
Klagenfurt hält den Atem an. Der KAC hat es heute in der Hand. Mit einem Sieg kann er den EC Red Bull Salzburg aus dem Eishockey-Playoff werfen. Die Rache für die vorjährige Finalniederlage und der Einzug ins Halbfinale wären damit geschafft. Das Freundschaftsspiel der Fußballnationalmannschaften Österreich gegen Finnland vom Vortag wird damit zur Randerscheinung. Herz und Hirn der Klagenfurter schlagen wieder einmal nicht für den Fußball. Dabei zeigt sogar das Wetter Mitleid mit den Fußballern. Eine Woche vor dem Länderspiel stellt es von winterlich eisig auf frühlingshaft warm um. Der Himmel ist offen. Der übliche Dunst über der Stadt hat sich verflüchtigt. Die Wolken hängen nur lose am Himmel. Sie geben den Fußballfans den Blick auf die Sonne.

Verkehrschaos in Waidmannsdorf
Den Klagenfurtern ist das egal. Der Oberrang des Wörthersee Stadions ist leer, weil noch immer nicht genehmigt. Im Unterrang besetzen gerade einmal 10.200 Zuschauer die Plätze. Auch sie kommen wahrscheinlich nur, weil Österreich in Rot-Weiß, den Farben des KAC, spielt. Das Stadion wirkt gähnend leer. Die Zuschauermenge reicht lediglich dafür, den Bezirk Waidmannsdorf in ein Verkehrschaos zu stürzen. Der Großteil der Klagenfurter ist mit den Gedanken bereits am Messegelände. Dort spielt heute der Rekordmeister KAC.
Auch Finnlands Trainer Mixu Paatelainen hat sich verirrt. Wenn er so im engen Anorak vor der Trainerbank steht, sieht seine Silhouette aus, wie die eines Eishockeycracks. Allerdings mit Ausrüstung. Auch die Feldspieler erweisen dem Eishockey ihre Reverenz, indem sie gar nicht versuchen besser zu sein. Sie spielen lustlos und ohne Geschwindigkeit. Symbolisch dafür steht Marc Janko. Das 1:0 erzielt er, indem ihn der finnische Tormann Lukas Hradecky anschießt und der Ball über ihn zurück ins Tor springt.

Rot-Weiße Parallelen
Lediglich David Alaba pfeift auf Eishockey. Er will Fußball spielen und zeigen was er kann. Bei seiner Auswechslung klatscht das ganze Stadion. Finnlands Nummer 10 Teemu Pukki versucht es ihm gleichzutun. Er beschäftigt die österreichische Abwehr im Alleingang. Marko Arnautovics Hose ist im Schritt so tief und lang geschnitten, dass sie neben seiner Arroganz jegliche Laufarbeit ausschließt. Er ist lediglich eine optische Attraktion. Österreichs Leistung bleibt trotz des 3:1-Siegs lustlos. Finnland ist an diesem Tag schwach. Die Klagenfurter werden also weiterhin beim Eishockey bleiben.
Trotzdem gibt es mehr als nur farbliche Parallelen zwischen dem KAC und dem Fußballnationalteam. Auch der KAC hat kurz vor dem Playoff den Trainer gewechselt. Er hat sich daraufhin als Mannschaft mit gutem Potential zu ansprechenden Leistungen zurückgekämpft. Das könnte das Fußballnationalteam auch machen. Dazu braucht es Biss. Der Trainer ist schon ausgetauscht. Der Kader hat Qualität. Nach der Heimspielpremiere Marcel Kollers beginnt die WM-Qualifikation mit dem Spiel gegen Deutschland am 11. September. Bis dahin bleibt noch Zeit den Schwung eines Sieges zu Beginn des Fußballjahres auszubauen. Auch wenn das hier in Klagenfurt zumindest heute niemanden wirklich interessiert.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png