Der Bayern-Faktor

cache/images/article_973_bayern_140.jpg Den Aufstieg ins Finale von Wien verdankt Deutschland vor allem den Stars des FC Bayern München. Bei der EURO 2008 feierte der »Bayern-Block« ein erfolgreiches Comeback.
Carsten Germann | 29.06.2008
Die Anzahl der schlechten Ideen von Uli Hoeneß ist eher gering. Auch nach dem 0:3 im WM-Viertelfinale 1998 gegen Kroatien hatte der Manager des FC Bayern München einen Geistesblitz. So beantwortete Hoeneß die Frage, wie der deutsche Fußball wieder in die Erfolgsspur kommen könne, wie folgt: »Ganz einfach: Man stülpt allen Nationalspielern ein Trikot des FC Bayern über.« Damit, so Hoeneß mit Blick auf die glorreiche Vergangenheit, habe man in Deutschland immer die größten Erfolge gehabt. In den goldenen 70er Jahren bildeten die Spieler des FC Bayern zusammen mit den Kollegen aus Mönchengladbach das Gerüst der Elf, die 1972 Europameister, 1974 Weltmeister und 1976 Vize-Europameister wurde.

Der Begriff des »FC Bayern Deutschland« erlebt bei dieser EM ein denkwürdiges Revival. Die nackten Fakten belegen die Vormachtstellung des deutschen Rekordmeisters aus München im Team von Bundestrainer Joachim Löw. Mit Miroslav Klose, Philipp Lahm, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger stehen gleich vier Bayern-Stars in der Start-Elf. Dazu kommen der Ex-Münchner Michael Ballack und der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger, der sich in der Bayern-Jugend seine ersten Sporen verdienen, ehe er zu Aston Villa nach England wechselte. Von den zehn Toren, die Deutschland im Turnier erzielt hat, gehen acht auf das Konto der Bayern-Spieler.

Dass es ausgerechnet die Bayern-Burschen sind, die bei der EM die Kohlen aus dem Feuer holen, verwundert manchen Experten und auch die Fans. Denn mit einem solchen Schub war trotz der Double-Saison der Bayern, die vor allem von ausländischen Stars wie Luca Toni, Franck Ribéry oder Mark van Bommel getragen wurde, nicht zu rechnen.

Beispiel Philipp Lahm: Der Schütze des 3:2-Siegtreffers gegen die Türkei spielte eine eher durchwachsene Bundesliga-Saison. Bei der EM ist er überragend. Ebenso wie die beiden Freunde Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, die den Finaleinzug gewohnt überschwänglich feierten. Sie glänzen bei der EURO, waren bei Ottmar Hitzfeld aber nur selten erste Wahl.

»Die Gründe hierfür sind vielfältig«, vermutet Deutschland-Experte Stefan Rommel vom Sportportal spox.com, »Podolski fühlt sich im Kreis der Nationalmannschaft deutlich wohler als bei seinen Bayern. Erst vor ein paar Tagen hat er sich wieder über fehlendes Vertrauen in München beschwert.« Rommel weiter: »Vielleicht verstecken sich Klose, Podolski oder Schweinsteiger bei den Bayern auch hinter den Granden wie Luca Toni oder Franck Ribery.« Das Finale wird es zeigen...

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
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