Der blonde Kaiser

cache/images/article_1466_japan_140.jpg WM-BLOG Keisuke Honda fällt auf. Das liegt nicht nur an seinen blond gefärbten Haaren, die ihn vom Großteil seiner Mitspieler auf den ersten Blick unterscheiden. Bisher ist der gelernte Mittelfeldspieler Japans einziger Torschütze bei dieser WM und immer als Solospitze aufgelaufen. Kann Japans Star in ungewohnter Position seiner Mannschaft den Einzug ins Achtelfinale sichern?
Martin Lieser | 24.06.2010
Heute wollen wir ausnahmsweise ohne mäßig lustige Wortspiele auskommen, die den Fußballer Honda mit dem gleichnamigen japanischen Autohersteller in Verbindung bringen. Denn Honda ist nicht der Motor seiner Mannschaft. Er ist nicht Tonangeber, kreativer Kopf oder Spielmacher. Diese Rolle kommt im japanischen Spiel eher Yasuhito Endo oder Shunsuke Nakamura zu, wenn diese nicht ihrer Form hinterher laufen oder auf der Ersatzbank Platz nehmen müssen. Letzteres Schicksal ereilte Nakamura bei beiden bisherigen Spielen. Der einstige Spielmacher fiel Trainer Takeshi Okadas neuer Taktik zum Opfer und kam nur in der Schlussphase des Spiels gegen die Niederlande zu einem Kurzeinsatz.

Das ist sicherlich nicht die ideale Rolle für den früheren Celtic-Spieler. Ohne seinen kreativen Input fehlt dem japanischen Spiel meist das Überraschungsmoment. Nachdem die Niederländer in Führung gegangen waren und nur noch auf Konter lauerten, dominierten die Japaner zwar das Spiel, kamen aber nur selten gefährlich vor das gegnerische Tor.

Gegen die Dänen würde Japan ein Unentschieden zum Einzug ins Achtelfinale reichen. Die Defensive stand bisher einigermaßen sicher. Das einzige Gegentor durch die Niederländer wurde wie so oft bei dieser WM zwar dem Keeper angekreidet, vorausgegangen war ihm jedoch eine misslungene Kopfballabwehr von Tulio. Die Aufstiegschancen stehen also auf wackligen Beinen. Kritisch wird es, wenn Japan einmal in Rückstand gerät. Denn die spielerischen Mittel, den Gegner entscheidend unter Druck zu setzen, waren bislang sehr begrenzt. Mit hohen Bällen wird die Mannschaft auch gegen Dänemark wenig Erfolg haben, zumal die Mitte meist unterbesetzt ist.

Und da sind wir wieder bei Honda. Auf ihm ruhen die Hoffnungen. »Kaiser« nennt man ihn. Nein, nicht in Japan, wie uns so mancher Kommentator glauben machen wollte sein Spitzname stammt aus seiner Zeit bei Venlo in den Niederlanden. In Japan käme niemand auf die Idee, einen Fußballer und sei er noch so gut mit dem Tennô gleichzusetzen. Doch eigentlich ist Hondas Talent auf der Position als einziger Stürmer verschenkt. Schüsse aus der zweiten Reihe liegen ihm eher als das Strafraumspiel.

Die japanische Presse reagierte bislang außergewöhnlich unkritisch auf die Leistungen des Teams. Geblendet vom Erfolg über Kamerun und der möglichen Achtelfinalqualifikation kamen die taktischen und personellen Defizite nur selten zur Sprache. Dafür wurde bekannt, dass der etatmäßige Stürmer Okazaki im ersten Spiel nicht in der Startelf stand, da er bereits im Alpen-Trainingslager Probleme mit der Höhe hatte. Gleiches gilt für Schalke-04-Neuzugang Atsuto Uchida. Heute geht es in Rustenburg wieder hinauf auf 1.500 Meter. Mit der Höhenluft ließen sich interessantere Wortspiele bilden...

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog
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