Der Chef sitzt in der letzten Reihe

cache/images/article_911_ger_team_140.jpg »Deutschland Ein Team Ein Ziel«. Die Aufschrift auf dem DFB-Mannschaftsbus könnte programmatischer kaum sein. Rund um das Gefährt glauben findige Boulevardjournalisten dieser Tage eines der letzten Geheimnisse rund um die deutsche Nationalmannschaft gelüftet zu haben. Geht es nach Bild, soll die Sitzordnung mit der heimlichen Hierarchie im Team identisch sein.
Carsten Germann | 06.06.2008
Hieb- und stichfeste Beweise liefert das Blatt gleich mit. Die eigentlichen Bosse im deutschen Tross sitzen im Bus hinten. In der letzten Reihe. Viele kennen das von der Klassenfahrt: Die Granaten saßen auf der Rückbank, spielten Karten und stimmten mit fortlaufender Reisedauer schmutzige Lieder an. Im Bus der DFB-Elf fehlen zwar die Stimmungslieder und die Karten, aber die Ordnung ist klar festgelegt.

Michael Ballack vom FC Chelsea, der Chef, sitzt hinten und er sitzt gegen die Fahrtrichtung. Mit am Tisch: Oliver Neuville. Der stille Mönchengladbacher war schon zu gemeinsamen Leverkusener Zeiten ein Vertrauter Ballacks. Ebenfalls zur Gang gehören der Bremer Torsten Frings, der rechts von Ballack sitzt, sowie der etwas weiter vorn platzierte Neo-Stuttgarter Jens Lehmann und Bastian Schweinsteiger, der es als einziger Bayern-Spieler in die letzte Reihe geschafft hat. Klare Verhältnisse.

Ein Leader wie Kahn

Wenn die Rede auf die DFB-Elf kommt, fällt beinahe zwangsläufig der Name Michael Ballack. Nur selten waren die deutschen Hoffnungen bei einem großen Turnier so eng mit einem einzelnen Spieler verknüpft. Hieß es 1996 in England noch »Der Star ist die Mannschaft«, setzt die Mannschaft 2008 ganz auf ihren Star. »Er ist unser Leader, ist in überragender Form«, freut sich Bundestrainer Joachim Löw. Auch die Kollegen sind voll des Lobes für den Chef: »Michael Ballack ist ein Anführer wie Oliver Kahn, er motiviert uns und ist für uns alle ein toller Kapitän«, sagt Lukas Podolski, und David Odonkor meint: »Er geht immer voran, er ermahnt uns, wenn etwas nicht funktioniert, ist dabei aber nie arrogant.«

Ballacks Topform kommt für das DFB-Team keine Sekunde zu früh. Denn bei den euphorisierten deutschen Fans, die sich seit Samstag mit Auto-Fähnchen, Kugel-Grillanlagen in Fußballform und einem Wettbewerb für selbstgedrehte EM-Filmchen für das nächste »Sommermärchen« rüsten, hatte sich nach dem müden 2:2 gegen Weißrussland kurzfristig Panik breit gemacht. Erst Ballack beruhigte die Nation. »Wartet ab, wir werden rechtzeitig da sein«, so seine klare Ansage an die Raunzer. Und mit ihm als Antreiber ist mit den Deutschen mehr denn je zu rechnen. Die Stimmungslieder im Bus sollen dann von allein kommen.

Referenzen:

Rubrik: EM Tagebuch
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