Der letzte Akt

Ein letztes Mal erlebte die Salzburger Fußball-Arena in Wals-Siezenheim am Sonntag einen organisierten Home-Support violett-weißer Anhänger. Der Auszug der Salzburger Fankultur aus der Arena wurde zu einem Schauspiel, das sich von den Red Bull-Inszenierungen der letzten Wochen deutlich abhob.

Obwohl die viel zitierten Lichteffekte an diesem Nachmittag ausblieben und weniger Artisten und Hampelmänner als sonst herumturnten, füllte die entfachte Euphorie rund um die rot-weiße Bullenherde das Stadion im propagierten Spitzenspiel gegen die Austria zum wiederholten Male bis auf den letzen Platz. Alle waren bereit, sich knappe zwei Stunden von der Red Bull-Show verzücken zu lassen, nur zwei violette Kurven signalisierten ihre Abneigung dem entfremdeten Fußball-Zirkus gegenüber. Das mittlerweile als gängigstes Mittel der Kurvenkommunikation etablierte Spruchband kam vor allem von Seiten der Gästefans nur sehr dürftig zum Vorschein. Und auch die violett-weißen Salzburger berichteten von ca. zwei Drittel Verlusten bei der Einfuhr der selbst gefertigten Transpis auf Grund hoch motivierter Ordner.

Sturm auf die Bastille

Dass mit den Fans der Wiener Austria die erprobtesten Spielfeldstürmer der letzten Jahre im Gästesektor verweilten, spielte bei dem Vorhaben der violett-weißen Salzburger nur eine Nebenrolle. Mitte der zweiten Halbzeit schien der Zeitpunkt gekommen, an welchem sie sich auch von den VIP-Club Gästen verabschieden wollten. Rauchschwaden verschleierten die Südkurve, die Zäune wurden bestiegen, von Wiener Seite erschallten »Stürmen, Stürmen...«-Rufe.

Bewegung unterwanderte den Sektor, die motivierten Salzburg-Fans preschten im Schutz der Pyrotechnik in Richtung VIP-Club vor. Nach kurzen Momenten der Vor- und Rückwärtsbewegung waren die Fronten allerdings auch schon wieder verhärtet. Der Sektor leerte sich und auch aus dem Gästesektor strömten erlebnisorientierte Fans zum sich vor das Stadion verlagernden Meinungsaustausch mit der Exekutive. Die im Stadion verbliebenen Besucher nahmen von den Vorkommnissen nur dadurch Kenntnis, dass mehrere Bengalen ihren Weg von außerhalb aufs Dach und darüber hinaus fanden.

Mit dem Ende des schlechten Fußballspiels flauten auch die Ereignisse vor der Arena ab. Ein letztes Mal wurde die violette Solidarität vergessen, lebte der Städtekampf Salzburg - Wien auf dem Parkplatz auf. Dann nahmen die violett-weißen Salzburger Abschied von ihrer gewohnten Umgebung.

Angekündigte Auferstehung

»Die Austria wird Euch alle überleben«, lautete das letzte Transparent, das die Südkurve zierte. Während Red Bull am Montag die letzten Stehplätze durch Sitzschalen ersetzen ließ, schauen die Fangruppierungen bereits in eine andere Zukunft. Dass ein neuer Fußballverein gegründet wird, scheint beschlossene Sache. Darin sehen die führenden Köpfe den einzigen Weg, ihre Austria zu retten. Einzelheiten wurden noch nicht bekannt gegeben, aber die Motivation scheint groß. Mit der Ankündigung die violett-weiße Austria wieder auferstehen zu lassen, ging in Salzburg ein Stück Fan-Geschichte zu Ende und weicht vielleicht einem neuen Kapitel. [sh]

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