Der Todesstern des Südens

cache/images/article_2067_img_3369_140.jpg Die Bundesrepublik Deutschland wird von Unruhen erschüttert. Der FC Bayern hat Borussia Dortmund Mario Götze weggekauft. Doch wer glaubt, der FC Bayern sei nur von dem Gedanken besessen, junge Talente aufzukaufen und die direkte Konkurrenz zu schwächen, irrt. Ein Kommentar aus roter Sicht von Benjamin Kuëss.
Benjamin Kuëss | 23.04.2013
Die bösen Bayern haben wieder einmal zugeschlagen. Sie haben dem armen Kleinverein Borussia Dortmund, der paradoxerweise zu den zehn umsatzstärksten Klubs Europas gehört, kolportierte 38 Millionen überwiesen und wollen dafür jetzt auch noch Mario Götze. Frech! Gemein! Letztklassig! Natürlich, über den Zeitpunkt der Bekanntgabe kann man streiten, denn diese Meldung wird Einfluss auf die Dortmunder beim morgigen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid haben. Ob Jürgen Klopp es wagt, den kleinen Götze dem Zorn der Südtribüne auszuliefern, ist fraglich.

Dass der FC Bayern die Meldung gerade jetzt lanciert habe, um von der Steueraffäre um Präsident Uli Hoeneß abzulenken, klingt plausibel. Dass er Dortmund damit schwächen wollte, ist jedoch Unsinn - im Grunde könnte man davon ausgehen, dass den Bayern ein deutsch-deutsches Champions-League-Finale aus werbetechnischen und sportlichen Gründen weit gelegener käme, als ein Finale gegen Real Madrid.

Der Vorwurf, die alljährlichen Einkaufstouren der Bayern dienen mehr der Schwächung ihrer unmittelbarer Konkurrenten, als der eigenen Verstärkung, mag zum Teil zutreffen. Wer dies behauptet, vergisst aber, dass viele Leistungsträger verschiedenster Bundesligisten ursprünglich aus der Bayern-Jugend stammen - aktuellstes Beispiel: Mats Hummels von Borussia Dortmund, ältere Beispiele sind Paolo Guerrero, Zvjezdan Misimovic und Piotr Trochowski. Der vergisst aber auch, dass der aktuelle Bayern-Kader aus einigen Stammkräften besteht, die bereits in der Jugend bei den »Roten« spielten. Philipp Lahm seit 1995, Bastian Schweinsteiger seit 1998, Thomas Müller seit 2000 - gibt es sie also vielleicht doch noch, die »echte Liebe«?

Und was ist verwerflich daran, für sportliche Perspektive und natürlich Geld zu einem der seit Jahrzehnten besten Klubs Europas zu wechseln? Zu einem wirtschaftlich gesunden Verein, der nicht abhängig von kurzfristigen Engagements im Europacup oder dem finanziellen Goodwill eines Mäzens ist?

In vielen Kommentaren wird bereits heute nur noch darüber spekuliert, mit wie vielen Punkten Vorsprung der FC Bayern kommende Saison Meister wird und auf wie viele Jahre hinweg der Meisterteller nun im Abonnement an die Säbener Straße geliefert wird. Wahrscheinlich sind dies dieselben Kommentatoren, die sich in den letzten beiden Jahren an dem Spruch »Koan Titel« jedes mal aufs Neue erfreut haben und keine Gelegenheit der Schadenfreude ausgelassen haben, wenn es darum ging, den Bayern die beiden verlorenen Champions-League-Finalspiele und die enttäuschenden Platzierungen in der Liga, vorzuhalten. Nicht einmal ein Jahr und eine ziemlich erfolgreiche Einkaufstour später, soll alles plötzlich wieder ganz anders und auf Jahre hinweg entschieden sein.
ballesterer # 120

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