Der Überzeugungstäter

Paolo di Canio macht wieder mit faschistischen Gesten und antisemitischen Rülpsern auf sich aufmerksam
Reinhard Krennhuber | 13.12.2005

Er kann es nicht lassen, und er wird es jederzeit wieder tun. Lazio-Kapitän Paolo di Canio hat am Sonntag im Politderby gegen Livorno seine rechte Hand erneut zum Faschisten-Gruß ausgefahren, um nach seiner Auswechslung einem Häufchen Lazio-Fans auf der Haupttribüne eine zweifelhafte Ehre zu erweisen. Trotz empörter Reaktionen kündigte der Mann mit dem Mussolini-Peckerl an, auf die Geste auch in Zukunft nicht verzichten zu wollen.

Bereits im Jänner 2005 war di Canio im Spiel gegen AS Roma mit dem »saluto romano« aufgefallen. Damals kam er noch mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro davon, nun sollten ihm schwerer wiegende Konsequenzen drohen, auch weil di Canio keinerlei Reue zeigt.

»Werde auch weiterhin auf diese Weise grüßen«

»Ich habe meine Leute mit einem Zeichen gegrüßt, das für die Zugehörigkeit zu einer Gruppe steht, die wahre Werte hoch hält. Kulturelle Werte gegen die Standardisierung, die diese Gesellschaft uns auferlegt«, sagte der Stürmer gegenüber italienischen Medien. »Ich bin stolz, auf diese Leute zählen zu können, und ich werde sie auch weiterhin auf diese Art grüßen«.

Vor allem bei der jüdischen Gemeinschaft Italiens löste Di Canios Aktion Entrüstung aus. Vittorio Pavoncello, Präsident des Maccabi-Verbandes, forderte Lazio und die italienischen Fußball-Autoritäten zum Handeln auf. Bis dato hat die Liga nicht auf die Aktion des 37-Jährigen reagiert, nur eine Überprüfung wurde angekündigt. Di Canio erwartet sich jedenfalls Rückendeckung von seinem Verein. »Ich verlange von meinem Präsidenten, dass er mich verteidigt, wie es Präsidenten bei anderen Klubs auch tun. Andernfalls werde ich stinksauer.«

Lazio-Präsident lenkt ab

Und wirklich dauerte es nicht lange, da sprang Lazio-Chef Claudio Lotito auch schon in die Bresche für den bekennenden Duce-Verehrer: »Warum wird nicht über Lucarelli gesprochen?«, verwies er auf Livornos Toptorjäger, der seinen Tore im Regelfall mit der geballten »Kommunistenfaust« feiert und auch am Sonntag in der 78. Minute für den 2:1-Siegtreffer der Amaranti sorgte.

Und während Lazio auf seiner offiziellen Homepage noch bekundete, jede Art von Rassismus und Politisierung des Fußballs abzulehnen, goss Di Canio weiteres Öl ins Feuer. Angesprochen auf die Kritik von jüdischer Seite, meinte er: »Wenn wir in Händen der jüdischen Gemeinschaft sind, ist es das Ende. Wenn Schritte gesetzt werden, nur weil eine Gemeinschaft aufmuckt, wäre das gefährlich.«

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Rubrik: Wochentags
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