»Der Wille war beeindruckend«

cache/images/article_1186_interview__140.jpg Ex-Nationalspielerin Irene Fuhrmann ist die neue Co-Trainerin des österreichischen Fußball-Frauennationalteams. Mit dem ballesterer spricht sie über ihre Ziele mit der Mannschaft und erklärt, warum die Arbeit vor allem zukunftsorientiert ist. Mit Blick auf den eben beendeten Algarve-Cup zieht Fuhrmann Rückschlüsse auf Stärken und Schwächen des ÖFB-Teams.
Julia Zeeh | 17.03.2009
ballesterer: Wie bist du zu dem Engagement als Co-Trainerin des Nationalteams gekommen?
Irene Fuhrmann: Nachdem ich im Sommer meine aktive Karriere aufgrund meiner beruflichen Fortbildung beenden musste, hab ich das Angebot von Ernst Weber bekommen, das Co-Traineramt zu übernehmen. Obwohl ich zurzeit die Ausbildung zur B-Lizenz-Trainer mache, hat mich das sehr überrascht. Gleichzeitig war ich aber auch geehrt und erfreut, die Chance zu bekommen, in dieser Position zu arbeiten und Erfahrungen sammeln zu können.   

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Teamchef Ernst Weber?
Es ist eine Ehre für mich, mit einem so langjährigen und erfahrenen Trainer zusammenzuarbeiten und ich kann von seiner Erfahrung viel mitnehmen. Was die Aufgabenteilung betrifft, bin ich im Moment vor allem für das Aufwärmen und die Trainingseinheiten vor den Matches zuständig. Den Hauptteil des Trainings gestalten wir aber gemeinsam.

Welche Aspekte sind dir im Training besonders wichtig?
Ganz wichtig bei der Arbeit mit dem Nationalteam erscheinen mir Übungen, die die Kommunikation fördern, weil die Frauen und Mädchen natürlich aus verschiedenen Vereinen kommen und einander erst kennenlernen müssen. So müssen zum Beispiel die Laufwege erst aufeinander abgestimmt werden. Beim Aufwärmen ist es von hoher Bedeutung, variantenreich zu trainieren. Die Technik ist mir auch sehr wichtig, hier kann ich meine persönliche Note ins Nationalteam einbringen.

Das ÖFB-Team konnte vergangene Woche den zehnten Platz beim Algarve-Cup in Portugal erreichen. Bist du mit der Leistung zufrieden?
Auf jeden Fall. Unser Ziel war es, zumindest Gruppenzweite zu werden, um die Chance zu bekommen, noch gegen eine stärkere Mannschaft zu spielen. Das haben wir auch erreicht. Das Spiel gegen Norwegen haben wir zwar verloren, aber eine starke Leistung geboten. Positiv überrascht war ich vom Kampfgeist: Der Wille, der Einsatz und die Motivation waren beeindruckend. Das Endergebnis selbst ist zwar zufriedenstellend, es wäre aber durchaus noch mehr drin gewesen. Leider waren in manchen Matches individuelle Fehler spielentscheidend.

Gibt es Spielerinnen, die sich besonders hervorgetan haben?
Ja, vor allem die Jungen. Die erst 17-jährige Sarah Puntigam von LUV Graz hat sehr gute Leistungen gezeigt, was durchaus bemerkenswert ist, weil die körperlichen Anforderungen bei vier Spielen und zusätzlichen Trainingseinheiten in zehn Tagen sehr hoch waren. Auszeichnen konnten sich auch die zwei Bayern-Legionärinnen, Viktoria Schnaderbeck und Carina Wenninger. Absolut am konstantesten ihre Leistung abrufen konnte Marlies Hanschitz, die wegen des verletzungsbedingten Fehlens von Nina Aigner die Kapitänsschleife übernommen hat.

Wie sehr hat Nina Aigner der Mannschaft gefehlt?
Sie ist unsere routinierteste Spielerin und eine Führungspersönlichkeit. Mit ihr wären wir sicher um einiges stärker gewesen: Nina kann die Fäden in einem Spiel ziehen und auch einmal einen Schuss aus der zweiten Reihe abgeben.

Wo verortest du im Augenblick die Stärken und Schwächen des Nationalteams?
Schwächen haben wir auf jeden Fall im taktischen Bereich. Körperlich haben wir uns während des Turniers zwar sehr gut präsentiert, aber auch hier besteht noch Aufholbedarf. Ein anderes Problem ist unsere Abschlussschwäche die wenigen Chancen, die wir international haben, müssen wir verwerten. Die größte Stärke hingegen ist auf jeden Fall das Mannschaftsgefüge, jeder kämpft für jeden. Auch das Kombinationsspiel klappt schon gut, es fehlt der Mannschaft aber noch an Routine.

Was fehlt Österreich sonst noch, um mit Spitzenmannschaften wie Norwegen mithalten zu können?
Die Breite. Es kommen jetzt zwar sehr gute Spielerinnen nach, vor allem auch durch das neu gegründete U17-Nationalteam, sie sind aber natürlich noch sehr jung. Der Unterschied zu den Topmannschaften ist, dass diese auch viele routinierte Spielerinnen mit über 150 Länderspielen haben. Unser junges Team ist international noch sehr unerfahren. Dazu kommt, dass die Frauen alle keine Profis sind. Im Verein trainieren sie nur drei, maximal viermal pro Woche. Das heißt, sie müssten entweder selbstständig mehr investieren oder es müsste sich die Unterstützung dahingehend verbessern, dass die Spielerinnen nur mehr halbtags arbeiten müssen, um öfter trainieren zu können.

Was ist das nächste große Ziel der Frauennationalmannschaft?
Am 17. März ist die Auslosung für die WM-Qualifikation 2011. Wir sind jetzt grad im dritten Topf und hätten es mit einem Unentschieden im letzten Spiel der EM-Qualifikation gegen Polen sogar in den zweiten Topf schaffen können. Das Ziel ist daher, wieder unter die besten Drei in der Gruppe zu landen, um auf jeden Fall im dritten Topf zu bleiben oder eventuell sogar einen weiter hinauf zu rutschen.

Was möchtest du persönlich mit der Nationalmannschaft erreichen?
Konstanz in den Ergebnissen. Außerdem wünsche ich mir, dass die jungen Mädchen dabei bleiben, damit wir in einigen Jahren eine routiniertere und ausgeglichene Mannschaft haben. Es ist jetzt noch alles zukunftsorientiert, wir können jetzt nicht erwarten, dass wir zur letzten EM-Runde fahren zumindest nicht mit dem A-Team. Mit der U19 hingegen bestreiten wir von 20. bis 29. April die zweite EM-Qualifikationsrunde. Wenn wir da Gruppensieger werden, was durchaus möglich ist, fahren wir zur EM-Endrunde.

Und was sind allgemein deine Ziele als Trainerin? Könntest du dir auch vorstellen, ein Männerteam zu trainieren?
Da ich noch keine Mannschaft als Cheftrainerin geleitet habe, würde ich wohl eher erst einmal ein Burschen-Nachwuchsteam leiten wollen. Vorrangig möchte ich aber beim Frauenfußball bleiben. Es gibt wenig lizenzierte Trainerinnen und ich fände es gut, wenn mehr weibliche Teams von Frauen geleitet werden. Irgendwann Vereinstrainerin zu werden, könnte ich mir gut vorstellen. In ein paar Jahren oder so wäre es natürlich schon auch toll, Cheftrainerin eines Nachwuchs-Frauennationalteams zu werden. Das Traineramt hauptberuflich zu machen, wird aber noch lange nicht möglich sein.

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Rubrik: Aktuell
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