Der Zauberlehrling

Vor knapp einem Monat wurde der iranische Fußballverband von der FIFA wegen Einmischung der Politik gesperrt. Mittlerweile hat Sepp Blatter aber persönlich die Sperre wieder aufgehoben. Die Chronik einer Groteske.
Gastautor | 23.12.2006

Die FIFA hatte am 22.November nach einer Konferenz den iranischen Fußballverband auf unbestimmte Zeit gesperrt, bis der abgesetzte Präsident Mohammad Dadkan wieder ins Amt kommt, die Verbandstrukturen geändert werden und es freie Neuwahlen zum Verbandspräsidenten gibt. Der iranische Verband untersteht nämlich dem Sportministerium und dadurch dem Staatspräsidenten. Diese Verflechtung zwischen Politik und Sport ist laut FIFA-Statuten nicht erlaubt.

Politische Verschwörung

Aufmerksame Leser werden sich wundern, warum z.B. Nordkorea noch immer Mitglied der FIFA ist, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass der nordkoreanische Verbandspräsident unabhängig gewählt wurde, eher gering ist. Doch so lange sich niemand bei der FIFA offiziell beschwert, leitet sie auch kein ein und in Nordkorea ist ein "Aufmucken" doch eher unwahrscheinlich.
Im Iran hatte jemand aus dem Verband den Mut, sich gegen die politische Einflussnahme zu wehren und dieser jemand war der ehemalige Verbandspräsident Dadkan selber. Dieser wurde nach der WM abgesetzt, doch da der Verband nach den letzten Präsidentschaftswahlen im Iran neu besetzt wurde und jetzt Freunde des derzeitigen Präsidenten Ahmadinejad drinnen sitzen, roch Dadkan eine politische Verschwörung und meldete dies der FIFA. Dadkan selber ist nämlich eher dem politischen Kreis der ehemaligen Präsidenten Khatami und Rafsanjani, also ein Technokrat im Fahrwasser der Reformer, zuzuordnen und meinte eben, dass seine politische Gesinnung der Grund für die Abberufung wäre.

Nun ist es tatsächlich so, dass der Verband neu geordnet wurde und die politischen Verstrickungen sind auch schwer von der Hand zu weisen. Dadkans Absetzung hatte jedoch vorwiegend sportliche Gründe, da dieser mit der Aufgabe als Präsident vollkommen überfordert war und dies nicht erst seit der WM, sondern schon die Jahre davor. Das Fiasko um die WM, bei der z.B. das Nationalteam in der Vorbereitung in 10 Tagen die Strecke Genf-Teheran-Kiev-Zagreb-Kiev-Sofia-Teheran-Frankfurt flog, oder bei einigen Spielern nicht nach einem Visum für die WM angesucht wurde, so dass ein rekonvaleszenter Spieler zur WM fuhr, weil er ein Visum für Deutschland in seinem Pass hatte, waren nur das berühme i-Tüpfelchen.

Putschpräsident

Die Ironie an der ganzen Sache ist aber, dass Dadkan bereits vor vier Jahren den Auftrag von der FIFA bekam, die Strukturen im Verband zu ändern und den Fußballverband als unabhängiges Organ zu etablieren. Dadkan war das lange herzlich egal. 2002 hatte er sich nach der verpatzten WM-Qualifikation selbst an die Macht geputscht, dank einer Intrige gegen den ehemaligen Verbandspräsidenten Safaei Farahani. Damals kam er an die Macht, indem er seine politischen Kontakte zuz nutzen wusste. Dadkan wurde mittlerweile dazu gebracht, dass er selbst seinen Rücktritt bekannt gab und dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass die FIFA von der Sperre absieht, neben Lippenbekenntnissen des Verbandes, dass man sich um die Sache sofort kümmern werde. So wie es derzeit aussieht, dürfte der ehemalige Verbandspräsident Farahani als Interimslösung vorgesehen sein. Nicht schön waren Anschuldigungen der rechtskonservativen Presse, wonach Dadkan Teil einer zionistischen Weltverschwörung gegen den iranischen Fußball sei. Doch wenn man sich in Erinnerung ruft, was Dadkan damals gegen Farahani gesagt hat, sind dies nur die Geister, die er selber rief... [Mahdi Rahimi]

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Rubrik: Sonstiges
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