Derbytime in Dornbach

cache/images/article_1191_derbytime_140.jpg »Sat1, RTL, Eurosport und DSF waren da«, scherzt Sportklub-Kapitän Ingomar Szabo im Vorfeld des Ostliga-Derbys zwischen dem Wiener Sportklub und der Vienna am Freitag in Dornbach (19.30 Uhr). Und Salmin Cehajic ergänzt seinen Co-Kapitän: »CNN war auch da.« Natürlich hinken die Aussagen der beiden WSK-Leistungsträger hinsichtlich des Medienhypes ein bisschen. Doch eines ist gewiss: Das kleine Wiener Derby ist auf Regionalliga-Niveau an Brisanz kaum zu überbieten.
Emanuel Van den Nest | 02.04.2009
Szabo unterstreicht die Bedeutung des Spiels: »Es ist schon ein Unterschied, in Würmla vor 400 oder in Dornbach vor 5.000 Leuten zu spielen.« Bis Dienstag wurden mehr als 1.000 Karten abgesetzt, der Sportklub erwartet bis zu 6.000 Zuschauer. Zweifellos ist das kleine Derby für Drittliga-Verhältnisse ein unglaublicher Publikumsmagnet. Und die Ausgangslage vor dem großen Match sieht der Sportklub-Verteidiger durchaus günstig: »Wegen der Geschichte mit der Lizenz haben wir keinen großen Druck, wir können befreit aufspielen. Die Vienna, die ja eine Lizenz beantragt hat, hingegen muss gewinnen, um aufzusteigen.«

Ohne Lizenz
Der Traditionsverein aus Hernals hat aus wirtschaftlichen Gründen keinen Antrag für die Lizenz der Bundesliga gestellt, die für einen Aufstieg in die Erste Liga im Falle des Meistertitels aber notwendig wäre. »Der wirtschaftliche Druck ist in der Regionalliga Ost bereits sehr hoch, für die Anforderungen der ADEG Liga ist man sicher nicht gerüstet. Viele von uns haben mit dem WSC schmerzlich miterleben müssen, wohin gut gemeinte aber falsche Entscheidungen führen können. Die heutige Führung des Wiener Sportklub ist offensichtlich nicht gewillt, ein zu großes Risiko einzugehen«, so der Standpunkt der Anhängervereinigung des Sportklub.

Gleichzeitig sparen die Anhänger auf ihrer Homepage nicht mit an Kritik an Liga: »Der Bundesliga muss endlich klar werden, dass Strukturmaßnahmen notwendig sind und eine große Ligareform mittlerweile unabdingbar ist. Es sei schon ein Warnsignal, »wenn Vereine mit wirklich großem Potential, wie es beim Wiener Sportklub zweifelsohne der Fall ist, aus freien Stücken auf einen Aufstieg verzichten und der zweiten Leistungsklasse verloren gehen.« (Zum Thema: Erste Liga, letztes Loch)

Hiobsbotschaft und Heimserie
Auch an den WSK-Spielern hat diese Nachricht ihre Spuren hinterlassen. »Das war eine Hiobsbotschaft für uns«, meint Szabo, »natürlich will man sich weiterentwickeln und in einer höheren Spielklasse spielen. Doch wir verstehen die Entscheidung des Vereins. Die finanziellen Mittel sind für die zweite Liga einfach nicht vorhanden. Wir werden die restliche Saison trotzdem alles geben und versuchen, den Meistertitel zu holen. Doch ich mache kein Geheimnis daraus, wenn es Angebote anderer Vereine gibt, die auch interessant sind.«

Zurück zum Derby. Obwohl die Vienna die letzten beiden direkten Begegnungen (3:1 in der Hinrunde und 8:1 im Finale des Stadthallenturniers) für sich entscheiden konnten, sprechen zweierlei Statistiken für die Dornbacher. Zum einen ist der Sportklub seit dem Spiel gegen die Rapid Amateure im Mai 2008 zuhause ungeschlagen. Und gegen die Vienna haben die Dornbacher vor eigenem Publikum überhaupt seit dem Frühjahr 2004 nicht mehr verloren. WSK-Mittelfeldstratege Cehajic schraubt die Erwartungen mit einem »Klassiker« dennoch ein wenig zurück: »Beim Derby gibt es keinen Favoriten, da kann jeder gewinnen. Da kommt es ganz auf die Tagesverfassung an.«

Die Fans können sich jedenfalls auf einen unterhaltsamen Freitagabend freuen. Der Support auf den Rängen wird keine Enttäuschungen liefern. Und falls es für den Sportklub doch in die Hose gehen sollte, können sich zumindest einige Anhänger der Dornbacher damit trösten, dass alle Neumitglieder freien Eintritt zu den restlichen Saisonheimspielen im Frühjahr erhalten.

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Rubrik: Aktuell
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