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Deutschland taumelt, fällt aber nicht

cache/images/article_2317_3860502456_f3798d29f2_z_140.jpg WM-BLOG Das große Fußball-Deutschland muss gegen beherzt kämpfende Algerier Überstunden schieben und darf sich bei Neo-Libero Manuel Neuer bedanken. Per Mertesacker gibt sich nach der Partie im Interview ungewohnt gereizt.
Marcel Ludwig | 01.07.2014

"Schürrle stark, Neuer top! Der Rest eine Schande...", titelte die Online-Ausgabe der deutschen BILD direkt nach dem Schlusspfiff. Deutschland war da gerade mit einem 2:1-Erfolg über Algerien ins WM-Viertelfinale eingezogen. Pflicht erfüllt, möchte man meinen, doch weit gefehlt. Die Truppe von Joachim Löw präsentierte sich über 120 Minuten unkonzentriert und wenig zielstrebig.

Aber der Reihe nach. Selbst hier in Wien, der wohl größten deutschen Public-Viewing-Exklave, war die Stimmung vor dem Abendspiel gegen die "Fennecs" ungewohnt entspannt. Zu deutlich schien die DFB-Elf dem Gegner aus Nordafrika überlegen zu sein. 3:0, 4:1, gar zu einem 6:1-Tipp für die Mannen in Schwarz-Rot-Gold ließen sich die hier ansässigen Fans hinreißen. Die Frage war nicht ob, sondern lediglich "wie hoch" der Gegner in den Urlaub geschickt würde.


Kein Vorbeikommen
Wer das Spiel gestern gesehen hat, ahnt was als nächstes kam: blankes Entsetzen. Die deutsche Hintermannschaft präsentierte sich vor allem bei langen Bällen der Algerier - Moment, viele andere Angriffsvarianten kamen da eigentlich nicht - teils wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Unerklärliche Stellungsfehler, ungewohnt schlechte Ballkontrolle und eine Spieleröffnung, über die selbst 2000er-EM-Versager geschmunzelt hätten. Die Außenverteidiger zogen es indes vor, möglichst lange die Mittellinie zu überschreiten - ob Benedikt Höwedes überhaupt einmal mit Ball in des Gegners Hälfte anzutreffen war, ist nicht verbrieft (und wurde mangels Erfolgsaussichten auch nicht überprüft). Özil und Götze als zentrale offensive Schaltstellen unterboten sich gegenseitig im "vor dem Ball Verstecken", wurden sie doch mal angespielt, folgte meist ein Fehlpass oder versprang ihnen das Leder. Großes, schlaksiges Müller gab einmal mehr den bemühtesten Angreifer, konnte alleine gegen das algerische Abwehrbollwerk aber auch nicht viel ausrichten.

 

So war es einmal mehr ein Joker, der die Entscheidung brachte. Müller-Hereingabe, Schürrle eigentlich schon einen Schritt zu weit vorne, doch irgendwie geht der Ball von seiner Ferse in die Maschen. Als das zweite deutsche Tor durch Özil fiel, war Algerien bereits stehend k.o. Der Anschlusstreffer: Verdient, aber eben bedeutungslos.

 

Neukirchner V2.0

Nach  dem Spiel bat ZDF-Mann Boris Büchler Arsenal-Abwehrmann Per Mertesacker  zum Interview. Von den 120 Minuten sichtlich gezeichnet, war dem Innenverteidiger das schwerfällige und anfällige Spiel seiner Mannschaft "völlig wurscht". Man sei unter den letzten Acht, nur das zähle. Man müsse sich noch steigern, analysierte Büchler - "Was wollen sie jetzt von mir?", fragte sich Mertesacker. In der Folge konnte der England-Legionär weder "Karnevalstruppen im Achtelfinale" orten, noch wollte er die nächsten drei Tage wo anders verbringen als in der "Eis-Tonne". Zum Abschluss wurde der vom Gesprächsverlauf sichtlich überraschte Moderator noch einmal vor die Wahl gestellt. "Was wollen Sie? Sollen wir wieder ausscheiden und schön spielen? Wir sind weitergekommen (...) und bereiten uns jetzt auf Frankreich vor." Diese Vorbereitung wird Deutschland auch brauchen, ist doch zu erwarten, dass die "Equipe Tricolore" vor allem die deutsche Defensive vor weitaus größere Herausforderungen stellen wird, als dies im Achtelfinale der Fall war. Damit, frei nach Günther Neukirchner: "Fällt euch nichts (etwas) Besseres ein?"

 

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