"Deutschland wird Weltmeister"

Nach dem Sieg gegen Polen, kann wieder laut gesagt werden, was allen schon immer klar war. Unter dem Motto "kommt sagt es allen Leuten, schreit es in alle Welt hinaus", glaubt sich eine Nation als Fußballer aller erster Güte.
Simon Hirt | 15.06.2006


Ein in weiß gehaltenes T-COM Dress strahlte mir seine Unübersehbarkeit als Einstieg in meinen WM Abend entgegen. Der Wiener Uni Campus, das ehemalige Allgemeine Krankenhaus, war bis an seine Grenzen mit "WM-Fans" gefüllt. Mit wenig Verwunderung verspürte ich bereits vor Anpfiff der Partie, dass es einen Großteil der deutschen "Bildungsflüchtlinge" ebenfalls vor die beiden "kleinen" Großbildleinwände verschlagen hatte. Durch diese Atmosphäre gereizt, keimten altbekannte Empfindungen gegenüber dem gleichsprachigen Nachbarland in mir auf. Doch auch die polnische Fußball-Option und die damit verbundenen Assoziationen sorgten dafür, dass sich meine Parteilichkeit in Grenzen hielt.

Von dem Spiel wenig beeindruckt, erfüllten sich meine Erwartungen an diesem Abend keinen technisch hochwertigen Fußball zu sehen. Eine gut stehende und um die letzte Achtelfinal-Chance ringende polnische Mannschaft, bereitete dem von meinem Sitznachbarn verkündeten Weltmeister einige Probleme, ein gefährliches Offensivspiel auf die Beine zu stellen. Viel Hartes und wenig Zartes boten die mehr als 11 polnisch stämmigen Akteure auf dem Rasen zu Dortmund. Miroslav Klose und Lukas Podolski blieb es aber verwehrt ihre Landsleute vorzeitig nach Hause zu schicken. Gegen eine dezimierte polnische Mannschaft, Rot für Radoslav Sobolewski in der 75 Minute, kam das deutsche Werkl aber immer schneller in Fahrt. Dass es am Ende 1:0 für die Gastgeber hieß, konnte unter Betracht des viel besungenen "Deutschen-Glücks", nur marginal überraschen. Noch lange nach dem Schlusspfiff flitzten die mit Rot, Gold, Schwarz bepinselten Gesichter auf Wiens Strassen umher. Die Euphorie und der Glaube an ein "Wunder von Berlin" strahlten bis über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus und erreichten ihre "Schläfer" in Wien.

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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