Die neuen Schweden

cache/images/article_1162_schweden_n_140.jpg Mit der schwedischen »Landslag« kommt am Mittwoch zum ersten Länderspiel des Jahres ein Team nach Graz, das sich nach mehr als zehn Jahren im stetigen Aufwind 2008 mit veritablen Problemen konfrontiert sah. Gegenwärtig stecken die Schweden in einem Prozess der Selbstfindung.
Hannes Biedermann | 06.02.2009
Für Trainer Lars Lagerbäck, seit mehr als einer Dekade im Amt und nach dem völlig enttäuschenden EM-Auftritt vom Sommer erstmals wirklich stark in der öffentlichen Kritik, war das abgelaufene Kalenderjahr zweifelsfrei kein leichtes. Richtig schwer, weil seine persönliche Zukunft bestimmend, wird für den 60-Jährigen jedoch erst das Jahr 2009: Der für seinen Konservatismus hinsichtlich Spielanlage und Kaderzusammenstellung bekannte Fußballlehrer muss das schwedische Team fast von Grund auf erneuern und dabei auch noch zufrieden stellende Ergebnisse auf gut Schwedisch: die WM-Qualifikation liefern. Keine leichte Aufgabe für ihn, zusätzlich erschwert durch seine in den letzten Jahren demonstrierte nur sehr geringe Bereitschaft zu auch nur kleinsten Veränderungen und Reformen.

Lagerbäck hielt in nahezu allen wichtigen Spielen der vergangenen fünf Jahre an der selben Stammelf fest, lediglich in bedeutungslosen Partien wie jenen der jährlichen Wintertournee auf anderen Kontinenten kamen auch Kicker aus dem Kreis ab Nummer zwölf zum Einsatz, de facto jedoch immer ohne echte Chance, sich in seine erlauchte Elfergruppe zu spielen. Die Rechnung dafür bekam »Lasse« zugegeben nach einer Reihe eindrucksvoller Erfolge dann bei der EM in Österreich präsentiert, als sein Team in nahezu allen Belangen versagte und den Abgesang auf sich selbst quasi anstimmte.


Der Coach war zu Reaktionen gezwungen und zeigte sie recht überraschend auch. In den herbstlichen WM-Qualifikationsspielen kamen plötzlich Spieler zum Einsatz, die jahrelang in der zweiten oder dritten Reihe versauerten: Källström ist (endlich) erste Wahl im zentralen Mittelfeld, Birminghams Sebastian Larsson hat den Platz des zurückgetretenen »Fredde« Ljungberg übernommen, mit Majstorovic und Safari stehen zwei weitere Kicker mit Migrationshintergrund im Team, dazu kommen Aufsteiger wie Holmén und Wendt. Die »neue Landslag« schlug sich beachtlich, und ist in der Qualifikation nach einem Sieg gegen Ungarn und Unentschieden gegen Portugal und in Albanien noch unbesiegt.

Diese Serie soll im März im schweren Auswärtsspiel gegen Portugal prolongiert werden, das Testspiel gegen Österreich gilt als die Generalprobe dafür. Das bewährte »B-Team«, ausschließlich aus in Skandinavien tätigen Spielern bestehend, war auch in diesem Winter auf Amerika-Tournee und machte dabei gegen die USA (2:3) und Mexiko (1:0) eine recht gute Figur, folgerichtig stehen auch vier Kicker dieser Reise im Kader für das Freundschaftsspiel gegen Österreich.

Lagerbäck verzichtet  auf den gegen Portugal gesperrten Ibrahimovi und wird schon in Graz nach Alternativen für ihn suchen, Bremens Rosenberg hat dabei die beste Ausgangsposition. Daniel Nannskog, norwegischer Meister und Torschützenkönig mit Stabæk, gilt trotz seiner bald 35 Jahre und quasi nicht vorhandener Nationalteam-Vergangenheit als Alternative. Für die bei einem Auswärtsspiel in Portugal wohl nötige Kontertaktik bietet sich auch das junge Brüderpaar Rasmus und Victor Elm, das 2008 Kalmar FF überraschend und erstmals zum schwedischen Titel führte, an.

 

Nicht dabei ist der »große alte Herr« des schwedischen Fußballs: Henrik Larsson hat seit drei Monaten kein Fußballspiel mehr bestritten und sich stattdessen auf seine Innebandy-Karriere konzentriert: Nach einigen Trainings kam die Celtic-Ikone sogar zu acht Einsätzen in der stärksten Floorball-Liga der Welt, das schwedische Staatsfernsehen war zur Primetime live dabei, als er sein Debüt feierte.

Mit Eddie Gustafsson, dem Neo-Goalie des nach einer klebrigen Limonade benannten Klubs, steht für Mittwoch auch ein Österreich-Legionär im Kader, die eigentliche Nummer fünf in der schwedischen Torhüter-Hierarchie wird in Liebenau jedoch nur den Sitzkomfort der Ersatzbank testen. Dafür feiert Erik Edman, Scharner-Teamkollege bei Wigan, nach mehr als einem Jahr Absenz sein Comeback in der Nationalelf.

Der schwedische Kader für das Länderspiel gegen Österreich

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Rubrik: Aktuell
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