Die Rückkehr des Peter L.

cache/images/article_1139_landolt_140.jpg Peter Landolt, Stadionmanager des Letzigrund-Stadions in Zürich, ist wieder in Amt und Würden. Eine Untersuchung der Stadt brachte keine Bestätigung für von Medien geäußerte Vorwürfe, wonach Landolt ein zumindest zweifelhaftes Verhältnis zu Fußballgewalttätern pflege.
Sandro Quadri | 13.01.2009
Wie der ballesterer in seiner Dezember-Ausgabe berichtete, stand Landolt unter Verdacht, Gratistickets an Hooligans abgegeben und Fan-Schlachten im Letzigrund ermöglicht zu haben. Die Stadt Zürich sieht, nach Abschluss der Untersuchung, jedoch keinen Grund, den umstrittenen Stadionmanager personalrechtlich zu sanktionieren, denn die zweifelhaften Partys mit rechtsgesinnten Hooligans fielen in die Zeit vor Landolts Anstellung zum städtischen Beamten. Landolts Vorgesetzter, Stadtrat Gerold Lauber, ist froh dass »im neuen Jahr wieder auf einer vertrauensvollen Basis zusammengearbeitet werden kann«. Laut der Medienmitteilung der Stadt Zürich wurde die Leistung des Managers als sehr gut, das Sicherheitskonzept und die Sicherheitslage im Letzigrund als gut beurteilt.

 EM-Spiele waschen Landolt rein


Als Referenz wird auf die reibungslose Abwicklung der drei EM-Spiele verwiesen: »Dass sämtliche während der Euro 08 im Stadion Letzigrund abgehaltenen Spiele absolut problemlos verliefen, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Stadionmanagers und seines Teams«, so Lauber in der Pressemitteilung. Dass EM-Spiele nicht zu Hochrisikospielen gehören und die Europameisterschaft nichts mit den Vorwürfen zu tun hatte, lässt Fragen zum Fokus der Untersuchung aufkommen.

Das Ermittlungsverfahren sollte Vorwürfe belegen bzw. entschärfen. Das Resultat erinnert mehr an ein Arbeitszeugnis. Zur Belegung der Vorwürfe fehlten dem untersuchenden Juristen offizielle Zeugenaussagen. Ob die Aussagenverweigerung damit zusammenhing, dass Landolt als Objekt der Untersuchung Einblick in den Schlussbericht hatte und die Angst vor Konsequenzen die Zeugen abschreckte, darüber lässt sich nur spekulieren.

»Fanproblematik entschärft«


Das im Bericht festgehaltene, teilweise nicht adäquate Verhalten bezieht sich laut dem Mediensprecher des Sportdepartementes der Stadt Zürich, Marc Caprez, vor allem auf Landolts Zusammenarbeit mit der Polizei bei der Kurvenvergabe an die Blöcke der FC Zürich- und der Grasshopper-Fans: »Da gab es Kommunikationsprobleme«. Die Maßnahmen, die das vertrauensvolle Arbeiten in Zukunft wieder ermöglichen sollen, beziehen sich denn auch hauptsächlich auf die Kommunikationsarbeit, wie Caprez betont: »Der Dialog zwischen Herr Landolt und der Polizei ist wichtig und wird stattfinden«.

Das teilweise nicht adäquate Verhalten gegenüber Fangruppen kommentierte Caprez als »bunt wechselnd«. Manchmal seien die GC-Fans der Bevorzugung verdächtigt worden, dann hieß es, die Südkurve des FCZ würde bevorteilt. »Die Fanproblematik hat sich aber entschärft, seit Herr Landolt als Stadionmanager tätig ist«, schließt Caprez, weil er dadurch nicht mehr direkt mit Sicherheitsfragen beauftragt sei.

In den Augen der Fußballfans kehrt Landolt nicht als Reingewaschener zurück. Die Meinungen hierzu reichen in den einschlägigen Foren dennoch von Schwarzmalerei: »Ich sehe düstere Zeiten auf uns zukommen«, bis hin zu sowas wie Rückendeckung: »Ein unsympathischer W****, aber was hat er denn uns Fans angetan?« Ob er sich rehabilitieren kann, wird sich zeigen. Wenn, dann nur durch eine distanziertere, faire Haltung gegenüber den verschiedenen Hooligan- und Fangruppierungen.

Referenzen:

Heft: 38
Rubrik: Fansektor
ballesterer # 121

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