Die Volkswagenliga

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Nach dem heutigen Spieltag in der zweiten deutschen Bundesliga ist es fix: Der FC Ingolstadt wird in der kommenden Saison erstklassig spielen. Damit ist der Verein das dritte Team in der Liga, an dem der Volkswagenkonzern beteiligt ist. 

Nicole Selmer | 17.05.2015

Wenn am 30. Mai Borussia Dortmund und der VfL Wolfsburg im Finale des DFB-Pokals in Berlin aufeinandertreffen, steht schon vorher fest, wer den Wettbewerb für sich entscheiden wird: Volkswagen. Das Logo des Automobilherstellers wird auf den Werbebanden im Olympiastadion ebenso präsent sein wie auf den Trikots beider Teams. Denn seit 2012 ist der alleinige Anteilseigner des VfL auch Sponsor des deutschen Cups. Der Konzern ist als Geldgeber bei zahlreichen Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga wie Schalke 04, Werder Bremen, 1860 München und Eintracht Braunschweig aktiv. Vor dem Wolfsburger Autohersteller gibt es kein Entkommen.

Schon gar nicht, wenn nächste Saison ein weiteres hauseigenes Werksteam in der ersten Bundesliga spielt: Der FC Ingolstadt wird maßgeblich von der VW-Tochter Audi finanziert. 19,94 Prozent der Anteile an der Fußball GmbH des FC Ingolstadt gehören zudem der Audi-Tochter Quattro. Audi hält auch 8,33 Prozent an der Bayern München AG. Im Aufsichtsrat der Bayern sitzen Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler und Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn. Wenn also in der kommenden Saison Bayern, Wolfsburg und Ingolstadt aufeinandertreffen, ist das so etwas wie eine Gesellschafterversammlung.

Wettbewerbsrechtlich allerdings kann daraus auch schnell ein Kartell werden. Denn dass ein so wichtiger Geldgeber und Anteilseigner nicht auch das eine oder andere Wort mitreden möchte, ist nur schwer zu glauben. Die Sorge vor dem möglicherweise wettbewerbsverzerrenden Einfluss von Volkswagen hat die Deutsche Fußball Liga schließlich zum Handeln bewegt. Auf ihrer Mitgliederversammlung Ende März beschäftigte sie sich mit dem Thema Mehrfachbeteiligung im Fußball und beschloss: Eine Beteiligung von Investoren, Unternehmen und deren Tochtergesellschaften an mehr als drei Kapitalgesellschaften – sprich: Fußballvereinen – ist nicht gestattet. Zudem ist eine Beteiligung von zehn Prozent oder mehr nur bei einem Klub erlaubt.

Die DFL hat mit dieser Statutenänderung ein Machtwort gesprochen, und zwar für Volkswagen. Denn diese Bestimmungen gelten nur für die Zukunft, der Status quo bleibt unangetastet oder, wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte: „Für den Volkswagenkonzern besteht ein Bestandsschutz.“ Die Beteiligung an einem vierten Klub ist Volkswagen damit zwar nicht mehr möglich, die dominante Rolle des Konzerns im deutschen Fußball bleibt jedoch unangetastet, während dessen Konkurrenten eingeschränkt werden.

Jürgen Klopp, der Trainer des BVB, fährt für einen dieser Konkurrenten, General Motors, mit einem Opel durch TV-Spots. Das Pokalfinale in Berlin wird sein letztes Spiel mit dem Verein sein, er hat sich eine Titelfeier in Dortmund gewünscht – noch einmal mit dem Lastwagen um den Borsigplatz fahren. Erfüllen kann ihm diesen Wunsch nur Volkswagen: zuerst der Werksverein, dann die Tochterfirma. Denn Lastwagenhersteller MAN ist Kooperationspartner von Borussia Dortmund. Willkommen in der Volkswagenliga.

Referenzen:

Heft: 102
Rubrik: Anstoß
Thema: Volkswagen
Verein: FC Bayern München, FC Ingolstadt, VfL Wolfsburg
ballesterer # 112

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