Die Wahl der Kickerlady

Ach, wär' doch der Frauenfußball in Österreich eine amerikanische Sitcom. Bewusst auf gängigen Rollenklischees aufgebaut und konsequent durchgezogen - das würde vieles vereinfachen.
Martin Nagl | 24.10.2006

Bei Al Bundy bleibt immer alles, wie es ist: Wenn sich der euphorisiert auf einen Bowling-Abend mit Brüllen, Saufen und ohne Weiber freut, wirkt das echt! Quälend mühsam sind dagegen die Versuche von Damenfußball-Organisatoren, die sich selber ernst nehmen - und gleichzeitig ein Turnier von einer "Kickerlady-Wahl" und dem "lautesten Männer-Fanclub-Chor" leben lassen wollen (siehe www.innviertlercup.com). Wer soll davon etwas haben? Die Spielerinnen sicher nicht.

Nicht, dass heutzutage nichts versucht würde, um Frauen die Freude am schönen Spiel zu vermitteln. Das Problem ist nur: Die erfreulichen Bemühungen werden zu oft von reaktionärem Gedankentum überdeckt. Was nach Fortschritt aussieht, wirft in Wirklichkeit zurück. Denn dummerweise sitzen in den wesentlichen Gremien Leute, die - wie auch Al Bundy vorgeworfen wird - ihr Weltbild anscheinend aus dem Jahr 1951 beziehen: Männer, die fürs Trainieren/Organisieren bekannt sind, und im Damenfußball "besonders innovativ" sein wollen. Männer, die zwar seit Jahrzehnten über Fußball schreiben, aber dabei nichts gelernt haben. Und natürlich: Männer, die als Frauenfußball-Referenten arbeiten.

Immer wieder müssen sich die zu Sagern durchringen wie "Bei Frauenfußball geht's nicht nur um de Gaudi. Und scho goa ned ums Spechtln." Die Fernseh-Figur Al Bundy hat's da leichter. Der meint es so, wie er's sagt.

Referenzen:

Rubrik: Weekender
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