»Die Zugänge sind allgemeingültig«

cache/images/article_1025_gludo_140.jpg Paul Gludovatz spricht im Interview mit dem ballesterer fm die neue Aufgabe in Ried und skizziert nebenbei seine Karriere: Vom Manko, selbst nie Profi gewesen zu sein, über die ÖFB-Trainerausbildung, die auch ehemaligen Bundesligaspielern nicht schadet, bis hin zu seiner anhaltenden Leidenschaft für die Nachwuchsarbeit.

Julia Zeeh | 22.07.2008
Herr Gludovatz, Sie waren jetzt 26 Jahre lang Nachwuchstrainer. War das Traineramt bei der SV Ried eine große Umstellung für Sie?
Naja, ich habe es überall behauptet. Und es stimmt eigentlich auch. Ich habe immer versucht, die Theorie in die Praxis umzusetzen, nur passiert das jetzt in anderen Zeitabständen. Es ist die gleiche Sache, nur hatte ich vorher zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche zur Verfügung, jetzt sind es fünf bis sechs. Die Zugänge zu den Menschen aber sind allgemeingültig. Die Sorgen und Ängste der Nachwuchsspieler unterscheiden sich aber schon klar von denen der Profis. Der eine lernt vielleicht grad neue Freunde kennen, der andere hat Familie und Haus. Wie man auf Menschen zugeht, ist aber immer gleich, ob ich jetzt mit einem Drechsel sprech oder mit einem jungen Spieler, der vielleicht noch einen Flaum anstatt eines Oberlippenbarts hat.

Wollen Sie sich auch bei der Nachwuchsarbeit bei Ried einbringen oder ist das sogar erwünscht?
Beides ist der Fall. Wir haben gemeinsame Ziele, gemeinsame Konzepte und entwickeln jetzt auch eine gemeinsame Vision. Diese Denkweise, von der mein Arbeitstag geprägt ist, ist Jungprofis eine Chance zu geben. Daher werde ich nicht nachlassen, schon interessehalber, mich mit den Jungen zu beschäftigen. Mein Leben war 26 Jahre lang davon geprägt und der Verein ist auch darauf aus. Heute haben zum Beispiel drei neue Spieler aus dem Nachwuchs mittrainiert, am Donnerstag hab ich eine Trainingseinheit mit der zweiten Mannschaft und nächste Woche setz ich mich mit dem Betreuerstab von der Akademie zusammen. Ich werd mich da sicher nicht einmischen, aber wir sprechen uns intern ab.

Gibts da Spieler, die in Ihren Augen besonderes Potenzial haben?

Ohne Namen zu nennen, bei Ried wurde schon im Vorjahr etwas Beständiges aufgebaut. Ich bin ja mitten in die Spielvorbereitung gekommen, nicht in die Saisonvorbereitung, das ist schon etwas anderes. Es werden immer wieder neue Spieler bei der Ersten mittrainieren, andere fallengelassen. Das ist so ein Mesozyklus, vier Wochen, etwa 20 Trainingseinheiten da kann man schon feststellen, ob die Qualität reicht.
War es jemals für Sie ein Nachteil, dass Sie nicht profimäßig Fußball gespielt haben?
In der Profiszene sicherlich. Ich habe mir vieles mit Ehrgeiz erarbeitet. Es ist nicht jedem gegeben, Profi zu werden. Ich hatte mit 17 die Möglichkeit, in der Staatsliga bei Eisenstadt zu spielen, wollte aber meine Ausbildung beenden und meine Eltern haben das unterstützt. Nach der Ausbildung kamen andere Dinge dazu, Frau, Kinder, Tapetenwechsel. Sofort war dann aber das Interesse an Nachwuchsauswahlen da, mich hat einfach die Sache an sich interessiert. Sicher hatte ich schlechtere Chancen als Profi-Bundesligaspieler, aber ich hab das immer eher als Triebfeder und nicht als Manko angesehen.
Wie wichtig ist die Trainerausbildung für ehemalige Profispieler? Viele wie etwa Lothar Matthäus meinen, sie brächten diese gar nicht. Hören Sie, ich hab da viele Rückmeldungen bekommen von vielfachen Nationalsspielern. Es gibt da Bestimmungen und man erleichtert diesen Superspielern den Trainereinstieg. Im letzten Kurs hatten die 30 bis 34 Teilnehmer insgesamt 1500 Teameinsätze, das war ein Wohlfahrt, ein Kollmann, Kirchler, Kühbauer, Vastic oder Polster. Und bei den Feedbacks haben viele behauptet Des hab i so no ned gesehn. Das ist aber nur das technische Gerüst. Die Spieler stehen jetzt auf der anderen Seite, zuvor haben sie einen machen lassen, jetzt lassen sie machen. Das ist für viele eine große Umstellung und sie plagen sich auch. Viele trainieren Nachwuchseinheiten, etwa bei den LAZs. Sie haben den Zugang, aber man muss sehen, ob sie auch ein Training leiten können. Die Ausbildung ist wichtig.
Abschließend, welche Erwartungen haben sie mit Ried?
Ja, das hab ich ja bereits allgemein kommentiert. Ich habe in Ried Qualität vorgefunden. Diese nur zu halten, wäre mir zu wenig, das wäre Stagnation. Ich will die Qualität steigern und habe dafür ein gutes Umfeld, ein gutes Trainerteam und gute Trainingsbedingungen. Wenn sich jeder einzelne Spieler steigern könnte, würde sich die gesamte Qualität des Teams verbessern. Dazu muss man keine Superspieler holen, sondern das Ziel ist, das Vorhandene anzuheben. Ich denke nicht an das Ranking oder das Resultat, obwohl ich daran gemessen werde. Unser nächstes Spiel ist gegen die Austria, danach wird abgerechnet, wie viel Punkte wir mitnehmen konnten. Aber es wird danach wieder ein Spiel kommen, man muss längerfristig denken.






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