Doppelpass mit Obama

cache/images/article_1445_usa_140.jpg WM-BLOG In anderen Ländern verknüpfen Spitzenpolitiker die WM schon seit jeher mit einem möglichen Stimmungsaufschwung. In den USA setzte sich diese Erkenntnisse nur langsam durch. Doch Barack Obama weiß um den Motivationsschub, den der lange mit medialer Verachtung gestrafte Soccer seinem Land bringen kann.
Carsten Germann | 18.06.2010
Sunil Gulati war überwältigt. Der Präsident des amerikanischen Fußballverbandes konnte sein Glück kaum fassen. Drei Tage vor dem Abflug nach Südafrika hatte Gulati zusammen mit US-Coach Bob Bradley und dem 23-köpfigen WM-Aufgebot einen Pflichttermin. Im Weißen Haus. Das US-Team, lässig und so gar nicht dem feierlichen Anlass entsprechend in blauen und weißen Trainingsjacken angetreten, wurde von Präsident Barack Obama und dessen Vorvorgänger Bill Clinton empfangen. »Wir haben das Privileg, unser Land bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zu vertreten«, freute sich Gulati, »und diese Ehre wurde noch einmal durch den Empfang überboten, den uns Präsident Obama bereitet hat.«

Obama selbst wollte keine allzu lange Rede halten. »Nur so viel«, sagte der Präsident in aller Kürze, »wir sind unglaublich stolz darauf, dass ihr unser Land auf der größten Bühne der Welt repräsentiert. Und im Oval Office habt Ihr auf jeden Fall einen Fan.« Danach durften sich die »Soccer Boys« über ein Erinnerungsfoto mit der Politprominenz freuen. Auch Bob Bradley wusste um den bedeutungsschweren Moment von Washington: »Es gibt keine größere Bestätigung für unsere Mission als einen Empfang durch den Präsidenten.«

Unabhängig von dieser medienträchtigen Inszenierung hat der Fußball in Amerika in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen. Zur Schärfung des Profils trug die Ankunft des englischen Superstars David Beckham bei Los Angeles Galaxy im Januar 2007 bei. Doch abgesehen von dem Theater um seine Person: In den USA scheint man nach einigen Fehlschlägen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen zu haben. Seit 2002 wurden sieben neue, reine Fußballstadien eröffnet. Zwar tragen die Arenen bizarr anmutende Namen wie »Pizza Hut Park«, doch sie bescheren den Klubs stetig hohe Einnahmen.

»Wir kommen voran«, stellt auch Jeff Agoos, Sportdirektor beim MLS-Klub Red Bull New York fest, »wir ziehen die Leute regelrecht zum Fußball.« Selbiges gilt auch für das Nationalteam: Für das letzte Spiel vor dem Abflug nach Südafrika gegen die Türkei in Philadelphia wurden 45.000 Tickets abgesetzt. Die jüngsten Erfolge der Bradley-Elf, die es 2009 ins Finale des Confederations-Cup schaffte, haben die Fans, aber auch die Oberen aus der Politik und aus dem Filmgeschäft erreicht. Ex-Präsident Bill Clinton trat ebenso dem Komitee für die WM-Bewerbungen 2018 und 2022 bei wie die Hollywood-Stars Arnold Schwarzenegger und Morgan Freeman. Ein Engagement, dass vor einigen Jahren kaum denkbar gewesen wäre.

Während Freeman nicht müde wird, die »integrative Kraft des Fußballs« zu preisen, hofft man in Südafrika schon aus Sicherheitsgründen auf ein frühes »Aus« der ambitionierten Amerikaner. »Wir beten inständig, dass die USA in der ersten Runde scheitern«, erklärte Polizeichef Bheki Cele, »denn bei einem Weiterkommen wird Präsident Obama das Team auf jeden Fall besuchen und das wäre für uns ein Albtraum.«

Referenzen:

Rubrik: Aktuell, WM-Blog
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png