Ein paar Weltstars mehr

cache/images/article_1249_polster_140.jpg Die Schweiz und Österreich spielen fußballmäßig in einer Liga. Dachten wir uns zumindest, und baten Gian-Andri Casutt vom Schweizer Fußballmagazin ZWÖLF anlässlich der aktuellen Bundesliga-Ausgabe des ballesterers um einen Vergleich. Das Ergebnis: Schweizer sind an Höflichkeit wirklich kaum zu schlagen und nicht nur österreichische Fans leiden unter einem Minderwertigkeitskomplex. Ein Umstand, der für Toni Polster nicht zutrifft.
Gianni Casutt | 09.07.2009
Im Vergleich mit dem österreichischen Fussball ist der schweizerische etwas bieder. Ob Trainer, Spieler oder Klubs Österreich hat seit jeher mehr hervorgebracht, inklusive des Wunderteams der 1930er Jahre. Das Schweizer Wunderteam spielte in den 90ern und wurde von Ciriaco Sforza angeführt. Ein kleiner Fisch im Vergleich zu Sindelar, Zischek und Co.

Stars aus Österreich haben immer wieder den internationalen Fussball erobert zumindest im Unterhaltungsbereich. Allen voran Toni Polster, der in den 90ern mit seinen Sprüchen ganz Deutschland unterhielt. Das kann man von Stéphane Chapuisat, seinem Schweizer Pendant nicht behaupten. Dessen Gags sind an einer Hand abzuzählen.

Bei den Trainern schauts kaum besser aus. Legendäre Trainerfiguren à la Happel sucht man vergebens. Der einzige, der international für Aufsehen sorgte, war Karl Rappan in den 50er Jahren. Und der war Österreicher. Happel brummelte und kettenrauchte sich durch die Fußballgeschichte. Der Kontrast zum großväterlichen Köbi Kuhn könnte nicht größer sein. »Wir sind eine Familie« war seine Standardaussage in Interviews. Aber halt! Es ist ihm doch einmal was rausgerutscht: »Ich kann jetzt hier nach dem Spiel keine Analyse hinbrünzeln (Anm.: schweizerisch für pinkeln).« Immerhin.

Große Legenden aus den 70er Jahren, die auch heute noch Unterhaltungswert haben, findet man in der Schweiz leider kaum. Wie gerne hätten wir einen Hans-Krankl-Typen, die Alben aufnehmen und sich in die Hitparaden singen. Am ehesten kommt da noch Fritz Küenzli ran. Er hat immerhin eine Miss Schweiz geheiratet, die nebenbei Schlager singt. Selbst die Frisur von Adrian Knup konnte in punkto Nackenlänge und Pracht nie an den großartigen Vokuhila von Andi Ogris heranreichen.

Leichte Vorteile für den Schweizer Fussball sehe ich jedoch bei den Klubnamen. Sicherlich ist Grasshoppers etwas gewöhnungsbedürftig, reicht aber kaum an Auswüchse wie SV Josko Fenster Ried oder KSV Superfund heran. Das wäre ja wie wenn der FC Luzern sich FCL Crédit Suisse nennen würde.

Dass der österreichische Fußball auf Grund der großen Namen und Traditionen einen anderen Wert für sich beansprucht, haben wir von ZWÖLF vergangenes Jahr erlebt, als wir den Co-Kommentator des Schweizer Fernsehens bei der EURO08, den großen Toni Polster, einladen wollten. Kam der Schweizer Torwart Jörg Stiel noch für ein Abendessen und Bier, raunte uns der Manager von Toni Polster zu, ob wir wüssten, dass Toni für das Interview in unserem illegalen Bierkeller einen fünfstelligen Eurobetrag erwarte.

Wir waren relativ baff und rechneten hoch, dass ein Polster-Besuch teurer als die Produktion eines ZWÖLF-Heftes wird und mussten anerkennend nicken. Das ist halt Weltfussball und das sind wir nicht gewohnt. In Österreich gibts davon wenigstens Überbleibsel. Jetzt warten wir bis Toni billiger wird, und dann holen wir ihn. Wird bestimmt nicht langweilig.

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Rubrik: Aktuell
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