Ein sportlicher Höhepunkt in Mitten der belgischen Farce

Im Herzschlagfinale zwischen RSC Anderlecht und Standard Liège haben die Brüssler nach einem Sieg im direkten Duell wieder die Nase vorn. Die Entscheidungen über Absteiger bzw. Aufsteiger aus der Division 2 fallen hingegen am Grünen Tisch und versetzen die Fans in ungläubiges Staunen bis blankes Entsetzen.
Klaus Federmair | 25.04.2006


Standard hätte mit einem Sieg in Anderlecht die belgische Meisterschaft zwei Runden vor Schluss vorentscheiden können. Ohne den gesperrten Conceicao waren die Lütticher aber chancenlos. Nach dem 0:2 liegt Standard nun einen Punkt zurück.

Am anderen Ende der Tabelle hat das vom Wettskandal schwer gebeutelte La Louvière nach einem 2:3 gegen Lokeren nun schon sechs Zähler Rückstand auf den rettenden 16. Tabellenplatz. Als wäre die Lage für die Wölfe noch nicht trostlos genug, entrissen ihnen die Ligafunktionäre zwei Tage später auch noch den letzten Strohhalm - keine Lizenz für 2006/2007. Nun droht sogar die Versetzung in die dritte Liga.

Dasselbe gilt für den Tabellendreizehnten und Cupfinalisten Mouscron. Ob die lizenzlosen Wallonen im Fall eines Finalsiegs im UEFA-Cup antreten dürften, ist derzeit unklar. Alle zwei Absteiger aus der Jupiler League 2005/2006 werden jedenfalls am Grünen Tisch bestimmt, wenn nicht die Einsprüche der betroffenen Klubs durchgehen.

Damit nicht genug, rüttelten die Funktionäre unmittelbar vor dem drittletzten Spieltag auch noch das Klassement der Division 2 gehörig durcheinander. Die Vorgeschichte: Der bankrotte Verein Beringen-Heusden-Zolder stellte vor gut zwei Monaten den Spielbetrieb ein. Darauf beschloss der zuständige Ligaausschuss, die ausgetragenen Spiele der Beringer nach deren Ergebnissen zu werten, die abgesagten hingegen mit 0:5. Vergangene Woche wurde diese Entscheidung plötzlich revidiert, alle Spiel des ausgeschiedenen Klubs gelten nunmehr als annulliert.

Die Folgen an der Tabellenspitze sind dramatisch. Der gegen Beringen zwei Mal erfolgreiche Tabellenführer Mons verlor durch die neue Entscheidung sechs Punkte, während Verfolger Overpelt-Lommel lediglich zwei Zähler für zwei Unentschieden abgezogen wurde. Auf einmal ist Mons seinen Dreipunktevorsprung los und liegt einen Punkt hinter dem neuen Leader.

Und die Farce ist noch nicht zu Ende, denn nach Saisonschluss sollten die Ligaverantwortlichen noch über die Behandlung der teilweise schon eingestandenen Spielmanipulationen entscheiden...

Referenzen:

Rubrik: Flachlandkick
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png