Ein Zeichen von oben

cache/images/article_1463_argentinie_140.jpg WM-BLOG »Was zum Teufel macht der hölzerne Martín Palermo in dieser argentinischen WM-Auswahl?«, werden sich viele gedacht haben. Im Spiel gegen Griechenland bereicherte der 36-jährige Boca-Stürmer das Turnier um ein weiteres emotionales Kapitel. Griechenland drohte ins Achtelfinale einzuziehen, doch am Ende war dank Palermos Tor und Maradonas goldener Hand alles gut.
Thomas Zsifkovits | 23.06.2010
In der 80. Minute sollte Martín Palermo seine zehn Minuten Weltmeisterschaft bekommen. Argentinien lag bereits 1:0 vorn, und Maradona konnte seinem Boca-Freund jenen Respekt entgegenbringen, den dieser sich mit einem Abstaubertor gegen Peru, das Argentinien überhaupt erst nach Südadrika brachte, verdient hatte. 

Sachlich betrachtet hat der 36-jährige Vollstrecker in dieser »Selección« nichts verloren. Es ist pure Dankbarkeit Maradonas, dass er ihn in Südafrika auflaufen ließ. Als in der 89. Minute Lionel Messi ein weiteres Mal am erfolgreichen Torabschluss scheiterte, war Palermo zur Stelle und stellte wieder mittels Abstauber auf 2:0. Maradona ballte die Fäuste. Er jubelte nicht sofort so frenetisch wie sonst. Es musste erst sickern, was da passiert war. Als ihm bewusst wurde, dass just der alte Hund Palermo ein Tor bei einer Weltmeisterschaft gemacht hatte, war er nicht mehr zu halten. Es war ein Zeichen von oben. Schon oft hat Maradona erklärt, dass »der Bärtige« ihm die Hand reiche. In der Pressekonferenz nach dem Spiel durfte er wieder einmal darauf hinweisen.

Die Argentinier machen oft Witze über Palermo. Keine besonders guten. Ein Beispiel: Tritt ein Argentinier vor ein Erschießungskommando. Als ihm ein letzter Wunsch gewährt wird, sagt er: »Palermo als Schütze«. Eine Anspielung auf die Copa-América-Partie gegen Kolumbien 1999, als der Stürmer drei Elfmeter verschoss. Immer und immer wieder wird ihm diese Panne, die ihm sogar zu einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde gereichte, unter die Nase gerieben. Da hilft Palermo auch der Umstand nicht, dass er seit heuer mit mehr als 220 Toren Rekordtorschütze der Boca Juniors ist.

Doch insgesamt haben Boca und Palermo eine verheerende Saison hinter sich. Die Mannschaft war fast so zerstritten wie Frankreich und in die Lager um Palermo und Riquelme geteilt. Der Stürmer machte weniger Tore als erwartet. Als Höhepunkt verschoss er in einem Training abermals drei Elfmeter. Doch Maradona zweifelte nie an ihm und nahm ihn im Gegensatz zu Riquelme mit zur WM. »Ich danke Diego. Ich müßte eigentlich zu Hause in meinem Wohnzimmer sitzen und das Spiel von Messi, Tévez und Verón genießen«, waren Palermos Worte.

Im Spiel in Polokwane langweilten die Griechen die Welt viel zu lang mit ihrem Anti-Fußball. Bis Martín Demichelis mit seinem Schuss unter die Latte in der 77. Minute die Erlösung brachte. In der Folge machte die »Albiceleste« die Rehagel-Elf lächerlich. Sie schob den Ball hin und her, und die Griechen krochen trotz des 0:1-Rückstands nicht aus ihren Löchern. Krönung des Abends war das 2:0, mit dem Palermo in seinem ersten WM-Einsatz zu Argentiniens ältestem Torschützen bei einer Endrunde wurde. Seit 1930 hatte kein Boca-Spieler mehr bei einem WM-Turnier getroffen. Eine Hollywood-würdige Inszenierung von Maradona.
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