Eine Frage der Würde

cache/images/article_1136_stadthalle_140.jpg Zwei Regionalligisten waren die großen Sieger des heurigen Stadthallen-Turniers, Rapid kam mit einem Veilchen davon und die Austria war zu grün hinter den Ohren. Die Veranstalter konnten sich zwei Mal über ein ausverkauftes Haus freuen, sind aber dennoch gefordert.
Niklas Hornbein | 05.01.2009
Wer kann schon sagen, was mit uns geschieht. Vielleicht stimmt es ja doch, dass das Leben eine Prüfung ist, in der wir uns bewähren sollen. Für den dreckigen Rest, der nicht in den Himmel kommt, bleibt nur die Hölle der Wiedergeburt als Tourist auf Ibiza, als Verkehrspolizist, oder als Austrianer auf der Südtribüne der Stadthalle. Schon einmal, anlässlich der Abfeierung von hundert Jahren Rapid 1999, hatte ich dank meines Freundes AG-Schurli dieses zweifelhafte Vergnügen. Heute saß ich erneut auf der grünen Seite des 50er-Jahre-Kastens, neben mir zwei kindergroße Werbeträger des Rapid-Fanshops und der Kris Kristofferson von Hütteldorf, komplett mit Rotzbremse und Häfn-Peckerl. Und am allerschlimmsten: Die Austria hatte in der Stadthalle weder etwas zu melden, noch etwas zu suchen. Sogar im Legendenspiel mussten sich Stöger, Polster und Co. geschlagen geben. Ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dorthin so schwierig ist.

Würdeloser Rekordsieger

Der diesjährige 40. Auftritt der Austria in der Stadthalle war des Rekordhalters völlig unwürdig: Unterirdische Leistungen, ausschließlich Niederlagen und das höchste violette Derby-Debakel der Turniergeschichte führten konsequenterweise zum letzten Platz, che sera, sera. 2007 war mit einem ausgesprochen mediokren Ensemble, verstärkt um Techniker wie Markus »Magic« Aigner, noch der 19. Hallentitel gelungen. Heuer ließ eine Verlautbarung des Vereins bereits im Vorfeld böses erahnen: »Die Tradition, den Jungen die Halle als Plattform zur Präsentation zu bieten, werden wir auch diesmal fortsetzen. Auch das wollen die Fans sehen, sie wollen wissen, wer das Zeug hat, um aus der zweiten Etappe an die Spitze stoßen zu können. Das Hallenturnier ist dafür genau richtig.«

Offenkundig hatte der Klub aus der Pleite von 2005, als ein Kader aus Jung-Veilchen auf dem Parkett ordentlich Prügel bezogen hatte, nichts gelernt. So schickte Trainer Karl Daxbacher nach nur einem Trainingstag eine nicht konkurrenzfähige Mannschaft durch die Bandentüre. Hatten in mageren Jahren alle Hoffnungen der violetten Fangemeinde auf der Einsergarnitur geruht, waren 2009 beide Linien ausgeglichen mies. Im Foyer gab sich Daxbacher, unter einem Banner mit der Aufschrift »Tradition hat ihren Nachwuchs« sitzend, kritisch: »Unsere jungen Spieler werden überschätzt und sie überschätzen sich auch selbst.«

Würdevoll, Halle leer

So betätigten sich ausgerechnet die beiden Veranstalter als Totengräber des Hallenkicks. Rapid spielte zwar phasenweise souveränen Fußball, setzte aber ebenfalls auf eine B-Mannschaft ohne Zauberer. Die Semifinal-Niederlage gegen den Sportklub fiel überaus deutlich aus, ganze sieben Mal erklang mit der Titelmelodie von »Indiana Jones«, die sympathischste Tormusik des Turniers. Damit war bereits nach dem zweiten Match des Finaltages die Luft am Voglweidplatz raus, obwohl im gesamten Gebäudekomplex Rauchverbot herrschte, das überraschenderweise auch eingehalten wurde.

Nachdem Rapid sich das mickrige Ruhmesblatt eines dritten Platzes bei sechs Teilnehmern geholt hatte, trafen im Endspiel Sportklub und Vienna aufeinander. Eine würdige Paarung, für die sich allerdings nur noch eine Hundertschaft Besucher wirklich interessierte. Die Halle war lediglich zur Hälfte gefüllt, als der First Vienna FC seinen ersten Stadthallentriumph feiern konnte. Die Dornbacher wiederum können sich neben dem Finaleinzug über einen moralischen Sieg freuen, den sie schon vor einigen Wochen errungen hatten: Beim Konzert der Toten Hosen war Sänger Campino im Sportklub-Trikot vor das Publikum getreten.

Die Fanblocks der beiden Regionalligisten rund 20 Vienna-Anhänger und 60 Freunde des Sportklubs stimmten während des Finales wieder und wieder Wechselgesänge an: »Theres only one Wiener Derby!«. Ich will den Fans traditionsreicher Wiener Kleinstvereine nicht zu nahe treten, aber genau hier liegt ein Problem. Ohne die Spannung möglichst vieler großer Derbys funktioniert das Turnier nicht. Es ist durchaus legitim, dass Rapid und Austria ihre Trikots und Schals in der Stadthalle verkaufen wollen. Allerdings: »Ihr habt bezahlt, Ihr könnt jetzt gehen« spielt es nicht. Die Großklubs müssen wieder Teams entsenden, die um die Hallenkrone mitkicken, sonst hat es sich bei »Dribblanski« bald ausgedribbelt.

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Rubrik: Aktuell
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