Entspanntes Endspiel

cache/images/article_1403_cl-finale__140.jpg Der Bayern-Hype wurde im Champions-League-Finale in die Schranken gewiesen. José Mourinho und Internazionale stoppten den Siegeszug der Münchner. An der ganz großen Europacup-Stimmung fehlte es jedoch in Madrid.
Alex Marner | 25.05.2010
Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet das Finale der Champions League, einem sponsorengerecht voll durchgestylten, multimillionenschweren Wettbewerb, geriet im Estadio Santiago Bernabeu zur entspannten, geradezu erholsamen Veranstaltung. Angenehm dezente Beschallung vor der Partie, so dass die Kurven deutlich zu vernehmen waren; Oasis und Madness in der Halbzeitpause. Auch das Feuerwerk der Bayern-Ultras zu Beginn des zweiten Durchgangs rief keine panischen Durchsagen hervor, geschweige denn aus heimischen Gefilden bekannte Ordner- oder gar Polizeiattacken. Nicht einmal die bei solchen Veranstaltungen typisch pompöse wie nichts sagende Eröffnungszeremonie mit unzähligen Tänzern, Trommlern und Figuren auf dem Rasen vermochte bedeutend zu stören.

All diese positiven Aspekte des Finals von Madrid werden den Anhängern des FC Bayern freilich egal sein. Das Triple wird in Mailand gefeiert, nicht in München. Leicht aufgeatmet haben dürften alle, die sich den Rot-Weißen nicht mit Leib und Seele verschrieben haben. Geradezu Besorgnis erregend war die devote Haltung, die zuletzt von Neo-Sympathisanten quer durch Deutschland zum Rekordmeister des Landes eingenommen wurde. Mit der Niederlage von Madrid dürfte die Errichtung von bundesweiten Bayern-Fanmeilen nicht mehr unmittelbar anstehen. Dem blinden Bayern-Fanatismus wurde der Zahn gezogen.

Diego Militos eiskalter Doppelpack bescherte Inter den dritten Landesmeistertitel, den ersten seit langen 45 Jahren. Nach dem Triumph im Bernabeu stieg José Mourinho eine weitere Stufe im ewigen Trainer-Ranking auf. Neben Ottmar Hitzfeld und Ernst Happel ist der Portugiese der dritte Coach, der den wichtigsten Europapokal mit zwei Klubs gewann.

Groß gefeiert wurde Mourinho von den Interisti indes schon vor diesem Meilenstein. Wahlweise als Zauberer, König oder gar Papst inszenierten die Tifosi den »special one«, den ganz besonderen Übungsleiter, auf Doppelhaltern und Transparenten. Zumindest außerhalb des Stadions wirkten die Italiener optisch überlegen. Im Bernabeu hielten sich die zwei Kurven die Waage, wobei Bayern mit dem Pyro-Spektakel in der 46. Minute einen kleinen Outlaw-Bonus einstrich. Inter zündelte nicht. Große Choreographien vor Anpfiff wurden beiderseits geboten.

Wahre Europacup-Atmosphäre wollte in Madrid außerhalb der Heimstätte von Real jedoch nicht aufkommen. In der Stadt hielten sich zwar vereinzelte, Lärm erzeugende Fangruppen auf, aber ohne britischen Teilnehmer scheinen Finals auf den Straßen einfach nicht zu knallen, und damit sind keineswegs körperliche Auseinandersetzungen gemeint. Wie hätten wohl Rangers oder Liverpool am vergangenen Wochenende die Puerta del Sol, den zentralen Treffpunkt in der spanischen Kapitale, besetzt, beflaggt und besungen?

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Rubrik: Aktuell
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