Erfolgreiche Küken

cache/images/article_2025_giggs_140.jpg Kaum eine Mannschaft kann den Weggang tragender Spieler so schnell und gut kompensieren wie Alex Fergusons Manchester United. Das Geheimnis liegt in der Nachwuchsarbeit - die »Class of '92« mit Giggs, Beckham und den Neville-Brüdern steht exemplarisch für das Erfolgsrezept des Managers.
Johannes Hofer | 02.03.2013
Als Alex Ferguson und Archie Knox im November 1986 ihren Job in Manchester antreten, läuft dort einiges falsch. Der Kader ist voll mittelmäßiger Kicker, und auch der Nachwuchs bringt keine erstligatauglichen Spieler hervor. Ferguson beschließt einen radikalen Umbau der Jugendarbeit, nicht zuletzt um dem Stadtrivalen das Wasser abzugraben. Denn Manchester City fischt zu dieser Zeit alle verheißungsvollen Talente ab. Dazu gehört auch Ryan Wilson, der später den Namen seiner Mutter, Giggs, annehmen wird. Seine Entdeckung ist exemplarisch für den damaligen Zustand Uniteds. Denn nicht ein Scout macht Ferguson auf das Wunderkind aufmerksam, sondern ein Ordner aus dem Old Trafford.

 

Symbolische Jugendarbeit
Über Giggs wird Ferguson später einmal sagen: »Er war der einzige Spieler in meinem Leben, bei dem ich sofort gewusst habe, dass er einmal in der ersten Mannschaft spielen würde.« An dessen 14. Geburtstag kommt Ferguson zu Giggs nach Hause, um ihn und seine Familie von einem Wechsel zu überzeugen. Beim ersten Versuch legt sich die Mutter noch quer, aber Ferguson lässt nicht locker, und schließlich tauscht der Teenager 1987 Blau gegen Rot. Der Rest ist Geschichte: Giggs, heute 39, spielt noch immer in der Premier League - und noch immer in Rot. Heute wird er sein 1000. Pflichtspiel bestreiten
Das Hauptproblem von Uniteds Jugendarbeit, das Ferguson und Knox zu lösen haben, liegt darin, dass junge Spieler kaum Perspektiven im Verein sehen. Die Trainer gehen in die Offensive: Als eine ihrer ers- ten Maßnahmen verpflichten sie vier Nach- wuchsspieler aus Manchester. »Wir mussten zeigen, dass mit uns eine Veränderung gekommen ist«, sagt Ferguson später. Es ist zunächst vor allem ein symbolischer Schritt, die Presse macht sich über die »Orange Juice Heroes« lustig, und der Fokus auf die lokale Jugend bringt vorerst nicht die gewünschten Erfolge. Zwar bekommen die Jungen Spielpraxis, den Durchbruch schafft aber einzig Ryan Giggs.

 

13 von 17
Belohnt wird die neue Jugendarbeit durch die »Class of '92«. Angeführt von Giggs, damals schon fixer Bestandteil der ersten Mann- schaft, tänzelt dieser Jahrgang förmlich ins FA-Jugendcup-Finale und schlägt dort Crystal Palace mit 6:3. Die Spielweise der Jugend ist praktisch deckungsgleich mit jener der ersten Mannschaft - schnell und offensiv über die Flanken. Im Mittelfeld fällt dabei neben Giggs auch ein gewisser David Beckham auf.
Von den 17 damaligen Spielern schaffen es 13 zu Erstligaeinsätzen. Mit von der Partie sind in diesem Jahrgang auch Nicky Butt und Gary Neville. Im nächsten Jahr rückt Garys Bruder Phil nach. Genau diese Jungspunde - die auch mit dem Spitznamen »Fergie's Fledglings« (Fergies Küken) bedacht warden - bilden in der Saison 1995/96 das Gerüst der Mannschaft um den grandiosen Eric Cantona. Zu Beginn der Meisterschaft spottet Alan Hansen, Ex-Liverpool-Spieler und TV-Experte, noch in Richtung Ferguson: »Mit Kindern wirst du nichts gewinnen.« Am Ende holt United mit FA-Cup und Meisterschaft das zweite Double der Vereinsgeschichte.

Referenzen:

Heft: 78
Rubrik: Thema
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