Feiern mit Diego und Freunden

Beobachtungen beim ersten WM-Auftritt Argentiniens.
Gastautor | 12.06.2006

Der Größte kam zum Schluss. Als Diego Armando Maradona um kurz vor 21 Uhr das FIFA-WM-Stadion Hamburg betrat, brandete unbändiger Jubel auf. Argentiniens Fußball-Legende war Ehrengast beim WM-Auftaktspiel des zweifachen Weltmeisters gegen den Neuling von der Elfenbeinküste.

Bis zum Halbfinale soll Maradona bereits sein Hotelzimmer in Deutschland gebucht haben. Er weinte bei der Nationalhymne und wurde von den mehr als 10.000 argentinischen Fans im Stadion mit Sprechchören gefeiert.

Nach dem 2:1-Erfolg über den Neuling von der Elfenbeinküste sah man Diego Maradona ausgelassen jubeln. Wie seine Landsleute in der Nordwestecke des Stadions schwenkte auch er triumphierend sein blau-weißes Trikot.

Nach dem Schlusspfiff begann in Hamburg eine argentinische Nacht. Fast 30.000 Fans hatten das Spiel auf dem Fanfest am Heiligengeistfeld verfolgt, hinter dem Nordwesteingang des Stadions stieg eine einstündige Jubelfeier der argentinischen Fans. Ein findiges Fernsehteam aus Argentinien übertrug die Party live. Die Aufgänge der benachbarten Color Line Arena, Hamburgs 85 Mio. Euro teurer Super-Halle, wurden kurzerhand mit argentinischen Bannern geschmückt, die Treppen bildeten die Showbühne der Gauchos. Ein gut 20 Meter breites Banner wird über die tanzende Menschenmenge gespannt. "Argentinien wird wieder Weltmeister", singen sie und auch die Erzrivalen aus Brasilien und England bekamen ihr Fett in Form von deftigen Schmähgesängen weg.

Ausgelassenheit herrschte auch während des gesamten Spiels. Federico Bravo aus der argentinischen Provinz Tucuman und seine Kollegen versuchten immer wieder, die Stadionbrüstung im Mittelrang zu erklettern. Sie sangen, sie hüpften und sie arrangierten sich schließlich auch mit den FIFA-Volunteers, die stets ein Auge auf sie hatten. Sie fühlen sich wohl in Deutschland. Nur dem fliegenden Brezelhändler begegneten sie mit Skepsis. Beim Anblick einer riesigen Salz-Laugenbrezel winkte Federico genervt ab: "Nein, danke, ich mag keine Süßspeisen."

Carsten Germann, Hamburg

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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