Festschmaus mit Beigeschmack

cache/images/article_2133_fener_140.jpg Alles ist angerichtet für den Salzburger Qualifikationsleckerbissen zur neuen Champions League. Ob der Sieger oder der Verlierer des Duells zwischen Red Bull Salzburg und Fenerbahce aufsteigt oder keiner von beiden, wird womöglich erst Ende August entschieden.
Klaus Federmair | 31.07.2013
Zumindest für die Muslime in Ostösterreich unter den Fenerbahce-Fans geht es am Mittwoch ab halb neun Schlag auf Schlag. Um 20.30 ertönt der Anpfiff, eine Minute später geht die Sonne unter und das tägliche Fastenbrechen des Ramadan beginnt. In vielen türkischen Lokalen flankieren die Bilder vom Qualifikationsschlager die reich gedeckten Iftar-Tische.

Aufstieg mit Fragezeichen
Sollte sich der favorisierte türkische gegen den österreichischen Vizemeister durchsetzen, wäre er noch keineswegs eine Runde weiter. Denn eigentlich hat die UEFA Fenerbahce für diese und eine weitere Saison aus ihren Bewerben ausgeschlossen. Grund dafür ist die Verwicklung des Klubs in Spielmanipulationen, die im Juli 2011 mit nicht rechtskräftigen Haftstrafen unter anderem für den ehemaligen Klubpräsidenten Aziz Yildirim geahndet wurden, vom türkischen Verband TFF wenig später aber ungesühnt blieben. Die Untätigkeit der TFF beantwortete die in Imagekampagnen sehr auf einen sauberen Sport bedachte UEFA im August 2011 mit einer Ad-hoc-Maßnahme: Eine UEFA-Delegation reiste wenige Tage vor der Auslosung zur Gruppenphase der Champions League 2011/12 in die Türkei und übte Druck auf die TFF aus, so dass sie den Vizemeister Trabzonspor statt des offiziellen Meisters Fenerbahce für die Champions League nannte. Das Gericht befand damals übrigens auch den Cupsieger Besiktas JK für schuldig, trotzdem wurde er zur Europa League zugelassen und kam trotz des erschwindelten Cupsiegs in das Europa-League-Viertelfinale.

Sperre mit Vorbehalt
Inzwischen hat sich die UEFA doch zu offiziellen Sanktionen gegen beide in den Manipulationsskandal verwickelten Klubs durchgerungen, weshalb Fenerbahce in Salzburg gar nicht spielberechtigt wäre. Eigentlich, wie gesagt. Denn Fenerbahce hat, wie Besiktas, beim internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung gegen die Sperre eingelegt.
Laut CAS-Homepage wird die endgültige Entscheidung, der sich auch die UEFA beugen muss, Ende August noch vor den Auslosungen der Gruppenphasen der beiden Bewerbe fallen.

Nutznießer ohne Sicherheit
Wer steigt also auf, falls Fenerbahce am 31. Juli und 6. August auf dem Rasen die Oberhand behalten sollte? Fenerbahce nur dann, wenn die UEFA-Sperre vom CAS später aufgehoben wird. Sollte dies nicht passieren, scheinen drei Möglichkeiten denkbar. Salzburg? Oder doch Besiktas, wenn es im Gegensatz zu Fenerbahce vor dem CAS gewinnt und als Meisterschaftsdritter von der Europa League in die Champions League übersiedeln darf, wie das vor zwei Jahren Trabzonspor durch den Fenerbahce-Rückzug ermöglicht wurde? Zu allem Überdruss scheint noch eine vierte Variante denkbar: Auch Besiktas verliert vor dem CAS und mit Bursaspor rückt der Viertplatzierte der Süper Lig nach.
Gegen die türkischen Ersatzkandidaten - und für ein direktes Weiterkommen von Salzburg - im Falle einer Bestätigung der Sperre von Fenerbahce spricht, dass sich nach der CAS-Entscheidung wohl keine Wiederholung der dritten Qualifikationsrunde mehr ausgeht.
Allen, denen jetzt der Appetit noch nicht vergangen ist, wünschen wir: Mahlzeit oder afyet olsun!
ballesterer # 121

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