Flachlandkick: B schlägt A

cache/images/article_1056_belgium_140.gif Am Tag des A-Team-Spiels gegen Deutschland in Nürnberg spricht ganz Belgien über die furiosen Leistungen der Nationalkicker allerdings jener der zweiten Garnitur, die in Peking um eine Medaille spielen.
Klaus Federmair | 20.08.2008
Noch vor wenigen Monaten verlor kaum jemand in Belgien ein hoffnungsvolles Wort über die Zukunft der »Roten Teufel«. Nach der verpassten EM-Qualifikation war das Brüsseler 1:4-Debakel gegen Marokko im März vor großteils dem marokkanischen Lager zuzurechnenden Fans der Tiefpunkt der Mannschaft.

Hin und her gerissener Nachwuchs


Teamchef René Vandereycken schaffte es einfach nicht, die durchaus vielversprechenden Talente zur Geltung zu bringen. Die allesamt nach 1986 geborenen Mittelfeldspieler Defour, Fellaini und Witsel holten mit Standard Liège den Titel, während sie im Nationalteam nur Frustration sammeln konnten. Diese drei standen auch bei Standards Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League auf dem Platz, als der FC Liverpool nur mit sehr viel Glück ein 0:0 über die Zeit retten konnte.

Viele Fans der Roten Teufel hätten die drei am selben Tag lieber beim entscheidenden Gruppenspiel des Olympiateams in Shanghai auf dem Platz gesehen. So wie Vincent Kompany, der gegen den Wunsch seines Klubs HSV in China blieb und mit Belgien den Aufstieg ins Viertelfinale fixierte. Ungeachtet der Sanktionen, die ihm die Vereinsführung androhte. Nach überstandener Gruppenphase kehrte der ehrgeizige Verteidiger nach Hamburg zurück und stellte am anderen Ende der Welt beim 2:2 gegen Bayern München seinen Mann.

Die Medaille im Visier


Im olympischen Viertelfinalspiel gegen Italien war dann auch Kompany nicht mehr dabei. Nach einem Torraub durch Vermaelen in der 17. Minute spielte Belgien eine Stunde in Unterzahl und machte in dieser Zeit aus einem 0:1 ein 3:2, dem sogar die seriöse Tageszeitung Le Soir zwei ganze Seiten widmete. Über das zwei Tage später anstehende A-Team-Spiel gegen Deutschland verlor das Blatt hingegen keine Zeile. So viel zum aktuellen Stellenwert des stark dezimierten Olympiateams.

Nach dem 1:4-Dämpfer gegen die starken Nigerianer im Semifinale fiebert die Nation nun dem Spiel um Bronze am Freitagmittag entgegen. Auch wenn Brasilien mit Ronaldinho der Gegner ist, der Glaube an die Chance der Roten Olympiateufel lebt. Sollten sie tatsächlich die Medaille holen und das A-Team zwei Tage vorher gegen Deutschland untergegangen sein, dann wäre die Hierarchie der beiden Nationalteams endgültig auf den Kopf gestellt und Olympiateamcoach Jean-François De Sart erster Kandidat für die Nachfolge des seit Monaten umstrittenen A-Coachs René Vandereycken.

ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png