Flachlandkick: Weinen um François Sterchele

cache/images/article_860_strech_140.jpg Vergangene Woche hat der belgische Fußball einen seiner besten Stürmer bei einem tödlichen Verkehrsunfall verloren. Sein Verein FC Brugge, seine Mitspieler und seine Fans bereiteten dem 26-jährig verstorbenen François Sterchele beim Meisterschaftsfinale einen überwältigenden Abschied.
Klaus Federmair | 14.05.2008
Wenn ein junger Mensch plötzlich stirbt, ist die Nachwelt ratlos. Wie dem geliebten Verstorbenen die letzte Ehre erweisen? Was tun mit der eigenen Verzweiflung? Wie den banal gewordenen Alltag weiter bewältigen?

Völlig unter Schock stehend, hat der FC Brugge beeindruckende Antworten gefunden. Für das Spiel zwei Tage nach dem tragischen Unfall des belgischen Torschützenkönigs 2006/2007 soll Trainer Mathijssen den Spielern die Entscheidung überlassen haben, ob sie unter dem Eindruck des schweren Verlustes spielen wollen oder nicht.

Und sie spielten, unübersehbar für François Sterchele. Statt des Logos des Hauptsponsor prangte Stercheles Nummer 23 von der Brust seiner Teamkollegen. Vor dem Spiel nicht die in solchen Fällen übliche 10-Sekunden-Version einer Trauerminute, sondern ein ganzes Stadion, das sich - vom Profi auf dem Feld bis zum letzten Fan im Oberrang - minutenlang zu Youll neer walk alone die Trauer von der Seele heult:

 http://www.youtube.com/watch?v=RpN1d6LDaMg

Wenn man sieht, in welch verzweifeltem Zustand die Spieler kurz vor dem Anpfiff des letzten Saisonspiels gegen Westerlo waren, kann man sich den anschließenden 4:0-Sieg - so pathetisch es auch klingen mag nur so erklären: Sie haben es für ihren geliebten ehemaligen Goalgetter getan. So profane Dinge wie die UEFA-Cup-Qualifikation sind nichts mehr gegen die Hommage an François Sterchele. Deshalb findet man dieser Tage auch nichts anderes als eine Sterchele-Slideshow vor schwarzem Hintergrund, wenn man auf die Homepage seines Vereins geht:

 http://www.clubbrugge.be/

An dieser Stelle sei an das verrückteste Tor des geborenen Lüttichers vor zweieinhalb Jahren für seinen damaligen Klub Charleroi erinnert. Nach einem Getümmel im Strafraum hatten sämtliche Spieler einen Pfiff des Schiedsrichters gehört, der in Wirklichkeit nie ertönt war. Einer schaffte es, sich rechtzeitig vom eigenen Irrglauben zu befreien: François Sterchele.

 http://www.youtube.com/watch?v=53hQHCpZ1SM

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Rubrik: Aktuell
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